1. – 4. Schuljahr

Frank Foerster

Unterrichtsstörungen wirksam begegnen

Teil 2: Weitergehende Interventionen

Im ersten Teil des Beitrags wurden verschiedene Maßnahmen vorgestellt, mit denen Lehrerinnen und Lehrer unmittelbar auf Störungen des Unterrichts reagieren können (Grundschule Deutsch 61/2019). Bisweilen reichen die dort beschriebenen nonverbalen und verbalen Interventionen jedoch nicht aus. Dann stellt sich die Frage nach weitergehenden Reaktionsmöglichkeiten. Dabei ist zu bedenken: Je tiefgehender die Konsequenzen sind, desto höher ist das Konfrontationspotenzial und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen Widerstand hervorrufen. Bei der Anwendung der nachfolgend beschriebenen Maßnahmen ist zudem immer der durch die Schulgesetzte und Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes vorgegebene rechtliche Rahmen zu beachten.

Zur Problematik „klassischer Strafen
Als Konsequenz bei Störverhalten denkt man zunächst nicht selten an Strafen wie Klassenbucheintrag, Strafarbeit oder Nachsitzen. Solche Sanktionsformen stellen für viele Lehrer ein bewährtes Mittel dar, auf Störungen des Unterrichts zu reagieren. Jedoch sind Strafen aus verschiedenen Gründen sehr problematisch: Stärker als andere Maßnahmen gefährden sie das Klassen- und Lernklima und wirken somit beziehungsbelastend, gerade dann, wenn sie als willkürlich und unangemessen empfunden werden (vgl. Syring 2017, S. 126). Sie eignen sich zudem für die Schülerinnen und Schüler nur wenig als Anreiz, mittel- oder langfristig positive Verhaltenskompetenzen zu entwickeln (vgl. Nolting 2017, S. 117), weil sie nicht auf Einsicht setzen, sondern vor allem auf Vermeidung weiterer Strafen.
Erfolgt eine Bestrafung in Form von Zusatzaufgaben, besteht außerdem die Gefahr, dass eine negative Einstellung zum Inhalt oder Fach hervorgerufen wird (vgl. Evertson/Emmer 2013, S. 191), beispielsweise dann, wenn ein Kind, das im Mathematikunterricht stört, als Strafe zusätzliche Aufgaben in diesem Fach erhält. Von klassischen Strafen sollte daher abgesehen werden. Es ist nicht Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern, Strafen zu verhängen. Vielmehr geht es darum, auf ein Fehlverhalten unmittelbar, altersgemäß und begründet mit angemessenen Konsequenzen zu reagieren, um die Voraussetzungen wiederherzustellen, unter denen ein gelingender Unterricht stattfinden kann.
Erzieherische Maßnahmen
Wenn erzieherische Maßnahmen verhängt werden, ist zu beachten, dass diese im direkten Zusammenhang mit einem konkreten Fehlverhalten stehen. Das Kind muss einerseits verstanden haben, warum und wofür es eine negative Konsequenz erhält (Foto1 ), anderseits sollte es die Gelegenheit bekommen, das Fehlverhalten oder den angerichteten Schaden wiedergutzumachen (vgl. Syring 2017, S. 30, S. 125). Zur Veranschaulichung folgende Beispiele:
  • Wer einer Mitschülerin eine Füllerpatrone entwendet oder kaputtgemacht hat, wird dazu verpflichtet, sie zu ersetzen.
  • Wer im Unterricht seine Aufgaben nicht erledigt und stattdessen andere Kinder stört, muss das Versäumte nacharbeiten, eventuell auch unter Aufsicht am Nachmittag.
  • Wer Tische bemalt, muss die Schmierereien beseitigen und zudem eine Arbeit für Klassengemeinschaft übernehmen.
  • Wer einen Mitschüler beleidigt, muss sich bei ihm entschuldigen, zum Beispiel auch in einem Entschuldigungsbrief.
Umgruppieren innerhalb der Klasse
Wenn Kinder räumliche Nähe immer wieder zu Störverhalten wie Schwätzen nutzen, kann ein Umsetzen Einzelner (Platzwechsel) oder generell eine Veränderung der Sitzordnung eine effektive Gegenmaßnahme darstellen. Ähnliches gilt bei Lerngruppen: Auch hier können Eingriffe in die Zusammensetzung der Gruppe dazu beitragen, Störverhalten zu reduzieren. Insbesondere dann, wenn Appelle wiederholt erfolglos bleiben und das Störverhalten fortgesetzt wird, bietet sich die Einrichtung eines „Ruhe-Tischs an einer separaten Stelle im Klassenraum an, wo das Kind ohne Blickkontakt zur Klasse sitzt (vgl. Eichhorn 2012, S. 170). Es ist dabei...

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