3. – 4. Schuljahr

Claudia Rathmann

Lost in Translation

Mit „unübersetzbaren Wörtern umgehen

Wer eine fremde Sprache verstehen will, muss in der Lage sein, auch die ungewöhnlich klingenden Ausdrücke in seine eigene Sprache zu übersetzen. Aber was ist mit Wörtern, für die es in der eigenen Sprache keine Entsprechung gibt? Wie der Umgang mit unübersetzbaren Wörtern die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sprachrepertoire bereichern kann, zeigt diese Unterrichtsidee.

In manchen Fällen ist der Transfer von Wörtern oder Sätzen von einer in eine andere Sprache vergleichsweise einfach, weil die Wörter in der fremden und der eigenen Sprache ähnlich klingen, etwa bei Orange orange (engl.) arancia (spanisch). Häufig müssen wir uns die Bedeutung eines Wortes aber auf andere Weise erschließen und merken. Besonders interessant ist es, wenn wir in anderen Sprachen auf Ausdrücke stoßen, für die es in der eigenen Sprache keine Entsprechung gibt. Um solche Wörter geht es in dem Bilderbuch „Lost in translation von Ella Frances Sanders. Die Autorin hat darin „unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt gesammelt und in schlichten Illustrationen eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Einige davon werden in der nachfolgenden Unterrichtsidee zum Ausgangspunkt für das Nachdenken über Sprache(n) (Abb. 1 ).
Ein Salat aus Kabeln
Zum Einstieg kommen die Kinder im Kinokreis zusammen. Die Lehrerin oder der Lehrer präsentiert zwei Wörter an der Tafel: Kabelsalat und hanyauku. Die Kinder sind irritiert. Was könnten diese Wörter bedeuten? „Vielleicht ein Salat aus Spaghetti, weil die so aussehen wie Kabel, vermutet Jana. „Oder ein Salat aus Kabeln? „Was sind Kabel?, fragt Ibrahim, der aus Syrien kommt, und muss dann nach der Erklärung lachen: „Ich habe noch nie einen Salat mit Kabel gegessen.
Eine ganze Weile stellen die Kinder Vermutungen an. Mit ihren Ideen orientieren sie sich an ihrem Vorwissen zur Bildung von Komposita. Bei der Kombination von zwei Nomen, also zum Beispiel Gurken und Salat, bestimmt das vorangestellte Wort das zweite (Grundwort) näher: Ein Gurkensalat ist ein Salat aus Gurken. Da aber ein Salat nicht aus Kabeln bestehen kann, kommen sie mit dieser Strategie nicht weiter und versuchen es mit einer Übertragung der Bedeutung: Ein Salat aus Bestandteilen, die so aussehen wie Kabel, also vielleicht Spaghetti.
Als die Lehrerin das Rätsel auflöst, sind die Kinder verblüfft: „Kabelsalat ist ein Knäuel vollkommen verknoteter Kabel. Erst das passende Bild bringt die Erkenntnis. Nun wird auch die Bedeutung des zweiten Wortes, zu dem sich bislang niemand geäußert hat, gelüftet: hanyauku beschreibt das Gefühl „mit den Zehenspitzen über heißen Sand (zu) laufen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass es sich bei diesem Wort um eines aus der Sprache Rukwangali handelt, die in Namibia, also in Afrika, gesprochen wird. „Ach, dann versteh ich das. In Afrika ist ja viel heißer Sand, und dann braucht man ein Wort, wie das ist, da drüber zu gehen, so wie trippeln vielleicht, vermutet Reni, die sich an unsere letzte Grammatikstunde zum Wortfeld „gehen erinnert. Der Inhalt der Stunde ist entdeckt: Jede Sprache hat ihre eigenen Wörter, um Dinge, Gefühle oder Tätigkeiten zu benennen. Manchmal gibt es dafür im Deutschen kein eigenes Wort und man braucht einen ganzen Satz oder sogar mehrere, um zu beschreiben, was gemeint ist.
Fremde Länder fremde Wörter
In der anschließenden Arbeitsphase sollen die Kinder bei ähnlichen Ausdrücken versuchen, deren Bedeutung herauszufinden. Dazu arbeiten immer drei bis vier nach der Methode „World-Café zusammen. Das Prinzip ist einfach: An vier bis fünf Tischen liegt jeweils ein DIN A3-Papier mit einem Wort. In Klammern dahinter ist die Sprache notiert, in der man das Wort finden kann. In unserem Fall waren das die folgenden (s. auch M1 ):
  • Luftmensch (jiddisch): Ein Träumer, der mit seinen Gedanken in der Luft schwebt.
  • Pisanzapra (malaisch): Die Zeit, die man braucht, um eine Banane zu essen.
  • Kar...

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