1. – 4. Schuljahr

Susanne Helene Becker

Förderperspektiven eröffnen

Reflexives Handeln im Schreibprozess anbahnen

Grundschulkinder gehen beim Schreiben oft noch assoziativ und spontan vor, da ihre mentalen Kapazitäten noch nicht vollends entwickelt sind. Das bedeutet, dass reflexives Handeln im Schreibprozess für sie ein Übungsfeld ist. Dennoch können Sie die Kinder darin unterstützen, über sich als Schreiber nachzudenken.

Das eigene Tun zu reflektieren fällt oft sogar Experten schwer. Und für Kinder ist es eine große Herausforderung zu beschreiben, zu bewerten oder sich überhaupt nur daran zu erinnern, was sie getan haben. Deswegen sollten Kinder immer wieder dazu motiviert werden, über ihre eigenen Lernprozesse nachzudenken. Sie können von Ihnen darin unterstützt werden, indem Sie passende Fragen stellen und Antwortalternativen vorgeben. Das zeitigt zwar keinen unmittelbaren Lernerfolg, aber mit der Zeit erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler die für das Erkennen des eigenen Lernens so wichtigen Fähigkeite, über das eigene Denken nachzudenken (Metakognition).
Eine progressiv gedachte Förderung der Schreibkompetenzen ist zunächst vor allem eine Haltung gegenüber dem Schreibprozess und dem Schreibprodukt. Sie schließt die Einsicht ein in
  • die Tatsache, dass man sich nach und nach zu einem immer kompetenteren Schreiber entwickelt,
  • die Vielfalt der Wege zum Text,
  • die eigene Schreibpraxis mit ihren Vor- und Nachteilen,
  • die Praxis kompetenter Schreiber, Texte „zwischendurch schon gedanklich vorzubereiten, dafür Ideen zu entwickeln und passende Inhalte und Formulierungen mental abzuspeichern,
  • den Nutzen der Reflexion des Schreibprozesses,
  • die Tatsache, dass für unterschiedliche Schreibprodukte unterschiedliche Schreibstrategien nützlich sein können,
  • den Entwurfscharakter von ersten Textfassungen und in die Tatsache, dass man eigene Texte und die von anderen verbessern kann.
Diese Haltung kann bei den Kindern erzeugt werden, indem sie angeleitet über das Schreiben nachdenken bzw. ihr Schreiben mittelfristig planen. Dazu ist das Material zu dieser Ausgabe gedacht: Das Plakat „Wege zum Text () visualisiert sowohl Phasen des Schreibens (Schreibstationen) als auch mögliche Schreibstrategien (Schreibstile) und dient als ein zum Nachdenken anregender Ausgangspunkt für Schreibvorhaben und -gespräche in der Klasse.
Unter Schreibstrategien verstehe ich Herangehensweisen an das Verfassen eines Textes (vgl. auch Zur Sache). Sie beschreiben den unterschiedlichen Umgang mit den Schreibstationen bzw. Phasen, wie
  • Ideen und Informationen suchen,
  • Texte planen und gliedern,
  • den Text formulieren und überarbeiten und
  • den Text gegebenenfalls gestalten und veröffentlichen.
So arbeitet etwa der spontan-assoziative Schreiber an verschiedenen Stationen abwechselnd, während der Autor mit der systematisch-linearen Strategie alle Phasen des Schreibprozesses in ihrer idealtypischen Anordnung abarbeitet bzw. seinen Text linear verfasst, also mit dem ersten Satz startet, den zweiten anfügt etc.
Vorbeugen statt intervenieren: das Schreibheft
Zur Anbahnung der oben beschriebenen Haltung gegenüber dem Schreiben gehört es, sich mental auf Schreibvorhaben einzustellen, „vorzudenken und die Welt gewissermaßen als Autor wahrzunehmen. Statt auf spontane Interventionen bei akuten Schreibschwierigkeiten („Mir fällt nichts ein! oder „Ich weiß nicht, wie meine Geschichte enden soll!) zu setzen, üben die Kinder Schreibvorhaben zu antizipieren: Im Heft „So komme ich mit dem Schreiben weiter! (Abb.1 , und M1 ) notieren sie besondere Ideen und Sätze, wenn sie ihnen einfallen oder in anderen Texten begegnen. Die Kinder füllen dabei folgend Rubriken aus:
  • Schreibideen,
  • erste Sätze für Geschichten,
  • letzte Sätze für Geschichten,
  • Hilfen bei Schreibblockaden und
  • die besten Schreibtipps.
Wenn Sie das Heft einführen, machen Sie die Schülerinnen und Schüler in der Anfangszeit auf Gelegenheiten aufmerksam, etwas zu notieren zum Beispiel...

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