1. – 4. Schuljahr

Roland W. Wagner

„Wir reden jetzt mal ganz anders

Sprechübungen für das Vorlesen

Mit welchen Übungen können Lehrerinnen und Lehrer sich selbst und ihren Schülern zu höherer Vorlesekompetenz verhelfen? Und wie erreicht man es dann noch, dass die Lesenden gern vorlesen und die Zuhörenden gern zuhören? Die zentralen Bereiche sind Stand, Atmung, Stimme, Artikulation und Intonation.

Das „Wie des Vorlesens
Die hier vorgestellten Übungen sind nicht so gedacht, dass sie nacheinander abgearbeitet werden, sondern sie können kurz und abwechslungsreich als Stundeneinleitung oder vor neuen Aktivitäten eingesetzt werden. Darüber hinaus ist wichtig zu beachten, dass sie ausschließlich der Vorbereitung des Vorlesens dienen; sie während der eigentlichen Textpräsentation permanent zu beachten, würde zu stark vom Vorlesen ablenken. Beim Vorlesen selbst sollten Aspekte der Haltung, der Stimme, der Aussprache und der Intonation möglichst weitgehend automatisiert ablaufen.
Im Folgenden werden fünf Übungsbereiche vorgestellt und erläutert. Das Material auf der CD-ROM bietet gezielte Übungen für die Arbeit mit Kindern, aber auch zur Vorbereitung für Lehrerinnen und Lehrer.
Übungen zur Körperhaltung
In diesem Bereich gibt es drei Übungsziele: Wichtig sind Sitz- oder Stehhaltungen, die situationsgerechtes Auftreten ermöglichen, die jeweils gewünschte Stimmung ausdrücken und das Sprechen durch angemessene Spannung erleichtern.
Aus physiologischer Sicht ist ein bequemer Stand optimal. Er entlastet den Stimmapparat, fördert durch uneingeschränkte Körperresonanz die Stimmwirkung und ermöglicht in größeren Klassen mit klassischer Sitzordnung (in mehreren Reihen oder an als Inseln aufgestellten Tischen) die „Antlitzgerichtetheit und den Blickkontakt. In kleineren Klassen ist jedoch ein Sitzkreis die günstigere Anordnung, da so „auf Augenhöhe und nicht „von oben herab vorgelesen werden kann. Bei allen Übungen (M1 ) müssen eventuelle körperliche Einschränkungen beachtet werden.
  • Übung 1.1: Der stabile Stand –Wer auf beiden Füßen steht, die Beine nicht überkreuzt, die Füße becken- oder schulterbreit auseinanderstellt, die Knie nicht durchdrückt, steht optimal (Abb. 1 ).
  • Übung 1.2: Stabilitätstest – Die Vorteile der in Übung 1.1 herbeigeführten Haltung werden durch gegenseitige Tests in Partnerarbeit demonstriert: Welcher Stand ist stabiler?
  • Übung 1.3: Das optimale Sitzen – Wenn beide Füße Bodenkontakt haben, ist dies für die Atmung und Durchblutung besser. Ohne Kontakt mit der Stuhllehne klingt die Stimme kräftiger, da sich die Schallwellen in alle Richtungen ausbreiten können (Abb. 2 ).
  • Übung 1.4: Das an die Zuhörer gerichtete Vorlesen – Für die Zuhörenden klingt es viel besser, wenn sie die Schallwellen auf direktem Weg wahrnehmen können; Vorlesen mit Blickkontakt bietet weitere Vorteile.
Übungen zur Atmung
Häufig erlebt man bei ungeübten Vorlesern eine unerwünschte Veränderung der Atmung, etwa in Form einer Kurzatmigkeit. Ideal für das Vorlesen ist eine Atmung, die ökonomisches Sprechen zulässt, variable Lautstärken ermöglicht und nicht zuletzt als Mittel gegen Lampenfieber dienen kann.
Die vorgeschlagenen Atemübungen (M2 ) ermöglichen tiefes Einatmen und verbessern damit den Stimmklang (etwa beim Strecken und Räkeln, Übung 2.5, und beim „demonstrativen Gähnen, Übung 2.6). Atemübungen können auch zu einer bewussten Körperwahrnehmung und einem entspannten Auftreten beitragen (Übungen 2.7 und 2.8). Durch bewusstes Atmen können die Aufregung vor dem Lesevortrag kontrolliert und die Körperspannung positiv beeinflusst werden (Übungen 2.9 und 2.10).
  • Übung 2.5: Strecken und Räkeln – Um den ganzen Körper zu lockern und zu entspannen, sind Streck- und Räkelbewegungen hilfreich (Abb. 3 ).
  • Übung 2.6: Leises und lautes Gähnen – Beim Gähnen weitet sich der Rachenraum, es macht die Stimme geschmeidig und angenehm im Klang (Abb. 4 ).
  • Übung 2.7: Ruhige Atmung spüren – Wenn man sich auf seine Atmung konzentriert und ruhig...

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