1. – 4. Schuljahr

„Wollte ich das eigentlich so schreiben?

Wie die Textplanung den Überarbeitungsprozess unterstützen kann

Wenn Kinder vor Schreibbeginn eine Vorstellung davon entwickeln, wie ihr Text als Ganzes aussehen soll, entstehen dabei Zielvorstellungen für den eigenen Text. Diese können während der späteren Überarbeitung als Grundlage für eine differenzierte Betrachtung des Geschriebenen dienen.

Annika Baldaeus
Das Wissen über die eigene Schreib-intention hat eine Ankerfunktion für den Überarbeitungsprozess. Sie bildet den Ausgangspunkt für alle weiteren Bearbeitungsschritte. Ein solches Schreibziel zu formulieren und einen Text zu planen, stellt besonders für junge Schreibende eine Herausforderung dar. Sie gehen nach der Entscheidung für ein Textthema rasch in den Produktionsprozess über und so ist der Zeitraum zwischen Schreibaufgabe und -aktivität häufig nur sehr kurz. Jede Idee, die während des Schreibens hinzukommt, wird direkt verschriftlicht, bis ein fertiger Text vorliegt (vgl. Bereiter/Scardamalia 1987).
Es scheint nachvollziehbar, dass es unter diesen Bedingungen schwierig ist, den eigenen Text in seiner Gesamtheit im Blick zu behalten. Inhalte logisch zu strukturieren und den Text aus Sicht der Lesenden zu betrachten und textsortenfunktional zu schreiben, erfordert Abstand zum Text. Während der Überarbeitungsphase werden genau diese Aspekte üblicherweise als Maßstäbe für Textqualität herangezogen. Für Schreibanfängerinnen und Schreibanfänger bedeutet dies, sich rückwirkend, also nach dem Produktionsprozess, Gedanken über Textstruktur (Kohärenz) und Textwirkung zu machen. Oft zieht dieses Vorgehen einen umfangreichen Überarbeitungsprozess nach sich, der für die Schreibmotivation wenig förderlich ist.
Die eigene Schreibintention kennen
Das Beispiel aus der Praxis (s. Kasten) zeigt, welche Bedeutung die eigene Zielsetzung für die Überarbeitung haben kann: Jannes erkennt beim Lesen, dass die Überschrift nicht zum Rest des Textes passt. Die Ursache liegt im unbemerkten Wechsel der Textsorte von einem Sachtext hin zu einem Erlebnisbericht. Durch die Erinnerung an sein ursprüngliches Schreibziel („Es sollte ja eigentlich ein Sachtext werden.) gelingt es ihm, seinen Text auf einer Metaebene zu betrachten. Er gleicht einzelne Textelemente mit seinem Schreibziel ab und stellt fest, dass diese nicht zusammenpassen („Da steht auch was anderes. Über den Bauernhof und was wir dort gemacht haben.). Darüber hinaus identifiziert er eine überarbeitungswürdige Stelle.
Einen Textplan entwickeln
Im Unterricht sollte es darum gehen, das Vorbereiten eines Textes als ersten Schritt des Schreibprozesses kennenzulernen, indem sich die Schreibenden ihrer eigenen Ideen und Zielsetzungen bewusst werden und lernen, diese zu explizieren. Dabei geht es zunächst weniger um das Aufschreiben von Stichpunkten oder das Nutzen einer Mindmap. Vielmehr muss der Moment zwischen Schreibaufgabe und -aktivität durch das Nachdenken über den zukünftigen Text verlängert werden. Die Entwicklung eines solchen Textplans (vgl. Wrobel 1995, S. 27) kann z.B. erste inhaltliche Elemente enthalten (Figuren, Orte Handlungen) oder sich auf die Wirkungsweise beziehen („Mein Text soll spannend/lustig/traurig sein.).
Je geübter die Kinder in der Vorbereitung ihrer Texte werden, umso spezifischer können die einzelnen Planungsschritte werden. Textsorten und ihre Muster spielen dann zunehmend eine Rolle. Durch die Formulierung erster Ideen werden sich Kinder ihrer Schreibintention bewusst und entwickeln eigene Zielvorstellungen für ihren Text. Diese können während einer späteren Überarbeitung helfen, das eigene Vorgehen zu reflektieren, Distanz zum eigenen Text einzunehmen, einzelne Textpassagen in Beziehung zum Gesamttext zu setzen und überarbeitungswürdige Stellen zu erkennen.
Fragen an den Text
Eine Möglichkeit, die Entwicklung individueller Planungskompetenz zu fördern, ist die Beantwortung folgender Fragestellungen vor Beginn eines...

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