2. – 4. Schuljahr

Sarah L. Fornol und Christina Bär

Wie der Grüffelo entstand

Ein Bewusstsein für Überarbeitungsprozesse entwickeln

Bevor Grundschulkinder zur Arbeit an eigenen Texten gelangen können, müssen sie die Erfahrung gemacht haben: Texte sind bearbeitbar. Jantzen (2003, S.114) bezeichnet dieses Bewusstsein als Überarbeitungshaltung. Sie kann Prozesse anstoßen, die für das Überarbeiten wichtig sind. Kinder begegnen in ihrem Alltag meist nur der Endfassung eines Textes Überarbeitungen sind diesen in der Regel nicht mehr anzusehen. Dabei haben viele Werke einen langen Schaffensprozess.
Vom Entwurf bis zum Endprodukt
Dem Materialpaket liegen zwei Bildkarten bei, auf denen verschiedene Etappen aus dem Entstehungsprozess des Grüffelos abgebildet sind (s. Abb. 1, 2, M1). Diese Zeichnungen laden Kinder ein, dessen Entwicklung nachzuvollziehen. Es lässt sich leicht entdecken, dass Axel Scheffler seine Grüffelo-Figur mehrmals verändert hat. Gesprächsimpulse im beiliegenden Arbeitsheft geben Anregung, die Überarbeitungsschritte genauer in den Blick zu nehmen. Die Anregungen im Heft bauen aufeinander auf: So sollen die Zeichnungen zunächst beschrieben und miteinander verglichen werden, dann widmen sich die Lernenden deren Wirkung und Intention. Später können sie sich den Sinn und die Bedeutung von Überarbeitungen erschließen und ihr Wissen auf das Überarbeiten von Texten übertragen.
Auch ein zweites Set Bildkarten (s. Abb. 3, 4, M2) mit Textentwürfen der Autorin Ingeborg Bachmann macht dazu ein Angebot. Hier gibt es Streichungen und Ergänzungen von Textpassagen. Die Kinder müssen nicht alle handschriftlichen Eintragungen der Autorin entziffern können. Sie stellen aber fest, dass auch bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Texte überarbeiten. Diese Erkenntnis ist wichtig, um selbst eine Überarbeitungshaltung ausbilden zu können. Abschließend können Sie den Kindern mithilfe eines Textes der Drittklässlerin Liwia das Überarbeiten eigener Texte nahebringen (s. M3).
Raum für individuelle Eindrücke
Bei der Auseinandersetzung mit den beiden Bildkartensets erlangen die Lernenden u.a. die wichtige Erkenntnis, dass Illustrationen und Texte bei Adressatinnen und Adressaten unterschiedliche Wirkungen erzeugen können. Auch Sie sollten bei den Unterrichtsgesprächen offen für die individuellen Auffassungen der Kinder sein. Im beiliegenden Arbeitsheft geben wir Hinweise, wie die Lernenden sich äußern bzw. in welche Richtung die Gespräche verlaufen könnten, jedoch darf der Austausch je nach Klasse unterschiedlich ausfallen. Indem Kinder Einblicke in die Schaffensprozesse von Künstlern und Künstlerinnen erhalten, erfahren sie, dass Überarbeiten „normal ist und dazu beitragen kann, Bilder bzw. Texte besser zu machen. Damit kann der Anstoß gegeben sein, auch die eigenen Texte verändern zu wollen.
Wie kann es weitergehen?
Über das Material hinausgehend können Sie durch die Organisation des Schreibkontextes dazu beitragen, dass Kinder sich zum Überarbeiten angeregt fühlen. Weiße Blätter ohne Schmuckrand legen nahe, dass es sich beim ersten Textentwurf noch nicht gleich um das finale Endprodukt handeln muss. Papier mit großem Zeilenabstand lässt genügend Platz für Umarbeitungen. Auch gut gewählte Schreibaufgaben können dazu beitragen, dass Kinder eine Bereitschaft zum Überarbeiten entwickeln. Wenn Kinder Texte zu persönlich bedeutsamen Themen verfassen, einen Sinn im Schreiben entdecken und wissen, dass ihre Texte später von anderen gelesen werden, überträgt sich das auch auf ihre Bereitschaft zum Überarbeiten (vgl. Jantzen 2003, S. 123 ff.). Durch die Überarbeitungen der Kinder in ihren eigenen Schaffensprozessen entstehen weitere Gesprächsanlässe, mit denen das Überarbeiten zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Unterrichts werden kann.
Literatur
Jantzen, Christoph (2003): Eigene Texte in der Schule überarbeiten: beobachten – verstehen lernen. In: Brinkmann, E./Kruse, N./Osburg, C. (Hrsg.):...

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