2. – 4. Schuljahr

Text im Kopf Text auf dem Papier

Einen fremden Text überarbeiten

Texte in den Köpfen von Schreibenden und Lesenden können sich voneinander unterscheiden, selbst wenn sie sich auf ein gemeinsames Produkt beziehen. Am Beispiel eines Fremdtextes werden sich Kinder einer 3. Klasse dessen bewusst und arbeiten an Textkohärenz.

Monika Daum / Christina Bär
Das Schreiben eines Textes findet in einer Distanzkommunikation statt, denn Schreibende und Lesende teilen sich in der Regel keinen gemeinsamen Wahrnehmungsraum. Für Texte besteht damit die Anforderung, dass sie aus sich heraus verständlich sind. Dies macht das Schreiben zu einer Herausforderung besonders für junge Schreibende, die sich darüber bewusst werden müssen. Für eine Sensibilisierung kann es Sinn machen, mit einem fremden Text zu arbeiten, evtl. fällt es den Kindern leichter, Distanz zu einem fremden Text einzunehmen als den eigenen Text mit fremden Augen zu sehen. Außerdem können sie sich so unbefangen zum Text äußern, da der Autor bzw. die Autorin nicht anwesend ist.
Den Fremdtext kennenlernen
Das Märchen „Das verwunschene Meer (s. Abb.1 ) überzeugt durch seine Textmuster: Durch typische Personen (König, Königin, Prinzessin, Wolf), Rollen (Freund und Feind), Orte (Wald) und Handlungsmomente (Sehnsucht nach Mutter, Wunsch und Erfüllung) entsteht ein literarisch gelungener Text. Das Märchenhafte besteht in der Idee des verwunschenen Meers. Eine weitere Qualität ist die implizite Machart des Textes. Das verwunschene Meer scheint Wünsche zu erfüllen und zugleich gefährlich zu sein. Der Vater warnt: „Du weißt ja, was mit deiner Mutter passiert ist. und meint: „ komm' mir bloß heile zurück. (Zeile 6f.). Doch was mit der Mutter am verwunschenen Meer geschehen ist, verrät der Text nicht. So entstehen Interpretationsspielräume, die den Text interessant machen. Dass der Umgang mit Implizitheit nicht immer einfach ist, zeigt das Textende. Leserinnen und Leser, die einen guten Ausgang des Märchens erwarten, könnten sich fragen, warum die Prinzessin zufrieden nach Hause geht (Zeile 15f.): Müsste ihre Mutter dafür nicht wieder lebendig sein?
Den Fremdtext unter die Lupe nehmen
Das Ziel dieser Einheit besteht in der Auseinandersetzung mit Textkohärenz: Es geht um die Frage, was Schreibende mit ihren Texten sagen möchten und wie sie in ihren Texten von anderen verstanden werden wollen. Zu Beginn der ersten Unterrichtsstunde versammelt sich die Klasse im Kreis und die Lehrkraft liest zunächst nur den Titel des Märchens vor: „Das verwunschene Meer. Die Kinder äußern dazu ihre Gedanken. Diese Antizipationen werden an der Tafel festgehalten:
  • andere Tiere, Monster,
  • Landlebewesen leben darin,
  • friedliche Meeresbewohner,
  • die Unterwasserwelt sieht anders aus, z.B. Algen in Silber,
  • die Tiere verändern sich,
  • ein Brunnen, der Wünsche erfüllt.
Die Äußerungen der Kinder kreisen um die Themen „Leben unter Wasser und „Mystik. Die Antizipationen tragen dazu bei, Distanz aufzubauen, um den fremden Text später mit kritischen Augen betrachten zu können. Dann liest die Lehrkraft das Märchen vor. Die Kinder stellen fest, dass sie zu manchen Textstellen Fragen haben. So meint ein Kind z.B.: „Man hat nicht gehört, wie die Mutter wieder lebte und was sie danach macht.
Die Eindrücke der Kinder leiten in eine Arbeitsphase über, in denen sie den Text nun in Partnerarbeit genauer unter die Lupe nehmen. Der Märchentext steht ihnen auf einem Arbeitsblatt zu Verfügung (M1). Auf einem zweiten Arbeitsblatt (M2) sind die Arbeitsaufträge dazu notiert. Zusätzlich werden die Kinder dazu aufgefordert, über die Textsorte und den roten Faden im Text nachzudenken.
Nach dieser Arbeitsphase werden die markierten Texte an die Tafel geheftet und verglichen. Die Kinder stellen fest, dass im Text vieles gelungen ist: Sie finden, dass die Überschrift neugierig auf den Text macht. Sie entdecken einige Formulierungen, die typisch für Märchen sind und finden es gut, dass...

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