1. – 6. Schuljahr

Schreibrepertoires erweitern

Digitale Medien zur Unterstützung von Überarbeitungsprozessen nutzen

Es gibt in der Schreibforschung viele Studien, die belegen, dass digitale Schreibtechnologien Lernende beim Verfassen und Überarbeiten von Texten unterstützen können. Auch für die Grundschule wird empfohlen, Textproduktion nicht auf das handschriftliche Schreiben zu beschränken, sondern Erfahrungen mit unterschiedlichen Schreibmedien zu ermöglichen.

Lisa Schüler
Im außerschulischen Alltag hat die Digitalisierung das handschriftliche Schreiben fast gänzlich verdrängt. Das bedeutet aber keineswegs, dass die Handschrift verschwinden wird oder dass sie in der Schule nicht mehr gelehrt werden sollte. Im Gegenteil gibt es gute Gründe, das Handschriftschreiben weiterhin zu vermitteln und eher zu prüfen, wie Schreibmedien sinnvoll kombiniert werden können, um Schreibkompetenzen ganzheitlich zu fördern.
In der Schreibdidaktik werden die verschiedenen Schreibmedien nicht in einem Konkurrenzverhältnis betrachtet (z.B. Handschrift versus Tastatur). Stattdessen besteht eine gewisse Einigkeit darüber, dass die Wahl eines bestimmten Mediums eine Frage der kontextuellen Passung ist und immer mit Blick auf die konkrete Schreibsituation entschieden werden muss (vgl. Sturm 2015). Für Lehrkräfte bedeutet dies, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern nicht nur den Kompetenzerwerb in der Nutzung verschiedener Schreib-medien ermöglichen, sondern ebenso vermitteln, welches Medium für bestimmte Aufgaben besonders geeignet ist. Dies entspricht auch den curricularen Vorgaben: Mit der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt haben sich die Bundesländer 2016 dazu verpflichtet, allen Lernenden ab der Primarstufe fundierte Medienkompetenzen zu vermitteln. Diese Kompetenzen beziehen sich sowohl auf neue Kulturtechniken, die durch digitalen Wandel erst entstehen, als auch auf traditionelle Kulturtechniken (Lesen, Schreiben), die sich aufgrund der technologischen Entwicklungen verändern (KMK 2016, 7f.).
Verschiedene Ebenen der Unterstützung
Auch für die Schreibförderung ergeben sich besondere Poten-ziale aus einer medienunterstützten Textproduktion: Es gibt digitale Tools, die für bestimmte Dimensionen des Schreibens eine ganz spezifische Unterstützung leisten können. Während Mind-Mapping-Software z.B. eingesetzt werden kann, um Planungsprozesse zu erleichtern, können Wortvorhersage- und Synonymfunk-tionen das Formulieren unterstützen.
Konkret mit Blick auf das Überarbeiten lassen sich die Potenziale digitaler Schreibtechnologien auf verschiedenen Ebenen verorten: Technologien zur Textüberarbeitung lassen sich danach systematisieren, ob sie eher auf ein oberflächliches Korrigieren von Fehlern abzielen (z.B. Textprüfsoftware) oder wie z.B. Feedback- und Kommentarfunktionen zu tiefgreifenden Änderungen an Texten motivieren sollen. Zudem lassen sich die Tools danach unterscheiden, wie unmittelbar sie auf den Überarbeitungsprozess einwirken: Einige Hilfssysteme, wie die Rechtschreibkorrektur, setzen direkt am Überarbeitungsprozess an und unterstützten die Schreibenden lokal beim Identifizieren und Korrigieren von Fehlern. Andere Technologien leisten eher eine indirekte Unterstützung, indem sie die Schreibenden kognitiv entlasten. Das Diktieren mit Spracherkennung (engl. speech recognition) ist ein Textproduktionsmodus, der es erlaubt, die eben genannten Wirkebenen zu verbinden und wird daher im Folgenden genauer vorgestellt.
Diktieren mit Spracherkennung
Das Diktieren mit Spracherkennung ist eine Technologie, bei der Texte mündlich in den Computer eingesprochen und von diesem automatisch in schriftliche Texte umgewandelt werden. Das Diktieren entlastet die Schreibenden also temporär von der motorischen Ausführung des Aufschreibens und von den sprachlichen Anforderungen im Bereich der Orthografie. Gerade für Lernende, die bei diesen basalen Schreibfähigkeiten Probleme haben, entstehen dadurch Freiräume, sich auf...

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