1. – 2. Schuljahr

Rückmeldungen vom Kinde aus

Schülerinnen und Schüler überarbeiten ihre Texte

Eigene Texte kritisch in den Blick zu nehmen und zu überarbeiten muss gelernt werden. Geeignet dafür sind strukturierte Gespräche in der Klassengemeinschaft. Eine Rückmeldekultur kann ab dem 1. Schuljahr etabliert werden und eine gute Vorbereitung auf Überarbeitungsprozesse sein, die zunehmend selbstständig bewältigt werden.

Sabrina Braun
Schreiben ist ein kreativer Prozess und das Ergebnis zunächst einmal der Stolz des Künstlers bzw. der Künstlerin. An diesem Werk eines Kindes der 1. oder 2. Klasse Kritik zu üben und es zu verbessern, muss behutsam und mit der nötigen Achtung und Wertschätzung geschehen. Könnensorientierung ist dabei ganz wichtig, aber auch das Einschätzen der vorhandenen Frustrationstoleranz. Was kann ich also tun, um die Kinder zu motivieren, in ihrem Schreiben weiter voranzukommen und sich zu verbessern? In meinem Unterricht hat es sich bewährt, dass sie selbst wählen können, ob sie Anregung, Kritik oder Lob hören wollen.
Schreiben im 1. Schuljahr
In der ersten Klasse schreiben die Kinder vorwiegend Wörter und kurze Sätze auf. Fruchtbar sind auch kleine Dialoge, die in Sprechblasen aufgeschrieben werden. Rollenspiele sind dafür manchmal die Voraussetzung aber nicht immer zwingend nötig. Oft schreibe ich nur mit Bleistift dazu, wie es „die Großen schreiben würden und lobe für den Versuch, Sätze aufzuschreiben. Häufig werden dabei die großen, z.T. himmelweiten Unterschiede, deutlich. Doch vor allem im 1. Schuljahr möchte ich die Kinder in dem bestärken, was sie schon können. Davon ausgehend muss das weitere Lernen stattfinden. Ein Kind, das erst wenige Schriftzeichen beherrscht und dem eine Anlauttabelle ein Buch mit sieben Siegeln ist, soll trotzdem den Sinn von Schrift erfahren und versuchen, sich schriftlich mitzuteilen, auch wenn seine Möglichkeiten noch begrenzt sind.
Vom Kinde aus rückmelden
Erst im 2. Schuljahr beginnt das freie Schreiben, aber auch das angeleitete Schreiben von Geschichten, das narrative Schreiben von Erlebnissen oder Träumen, von fantastischen Erzählungen oder Sachtexten. Vor allem jedoch: das Schreiben für andere. Was könnte dabei, wenn die Kinder einen Text für andere verfassen, sinnvoller sein als eine Schreibkonferenz? Diese Konferenzen (s. Abb. ) finden in der Großgruppe wie auch in (z.  T. selbstgewählten) Kleingruppen statt. Nur Kinder, die ihre Texte anderen präsentieren wollen, lesen diese der Gruppe vor.
Rückmeldekärtchen
Jedes Kind bringt zur Schreibkonferenz seine Rückmeldekärtchen (s. M1), die es in seiner Federtasche immer mit sich führt und die viele Funktionen im Unterricht haben, mit. Dies sind vier laminierte Kärtchen, die unterschiedliche Bedeutungen haben:
  • Stern = Das fand ich super!
  • Fragezeichen = Dazu habe ich eine Frage.
  • Ausrufezeichen = Das möchte ich dir unbedingt sagen.
  • Glühbirne = Diese Idee habe ich.
Die Kinder treffen sich z.B. in der Großgruppe im Kreis, gemeinsam sitzen wir auf dem Boden. Auch vor mir liegen die vier Kärtchen. Ein Kind liest seine Geschichte vor. Anschließend sind die Zuhörerinnen und Zuhörer gefragt. Sie halten, je nachdem, was ihnen aufgefallen ist, ein Kärtchen in die Höhe. Das vorlesende Kind entscheidet sich z.B. für zwei Sterne und ein Fragezeichen. Es möchte also vor allem positives Feedback haben, traut sich aber auch, eine Frage anzunehmen und seinen Text damit kritisch zu hinterfragen.
Manchmal nehmen Kinder nur die Sterne, doch mit zunehmender Sicherheit und Selbstvertrauen lassen sie immer mehr konstruktive Kritik zu. Da sie sich oft auch von mir eine Rückmeldung holen, achte ich darauf, diesen Kindern Fragezeichen oder Glühbirnen anzubieten, damit sie lernen, Kritik auszuhalten. Bei meinen Rückmeldungen beschränke ich mich auf das, was mir am wichtigsten ist: Ich lobe für eine lebendige Erzählung oder merke an, dass mir ein wichtiger Erzählschritt gefehlt hat und ich die Geschichte deshalb nicht...

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