3. – 4. Schuljahr

Geschichten mit Gänsehautgarantie

Von der Grusel-Geschichte zum Grusel-Slam

Überarbeiten beginnt nicht erst am eigenen Text. Vielmehr ist bereits das Lesen, Nachdenken und sich über Literatur austauschen der Praxis des Überarbeitens dienlich. Wie man vom Texte lesen über das Texte vergleichen und dem Überarbeiten von fremden Texten zum eigenen Schreiben und Überarbeiten kommen kann, zeigt dieser Beitrag.

Sarah L. Fornol
Wir schreiben eine Gruselgeschichte! Das wird bestimmt richtig gut: Die Kinder sind motiviert, haben kreative Ideen und sind so wie man selbst als Lehrkraft neugierig auf die bald entstehenden Texte. Außerdem könnnen sich Lehrerinnen und Lehrer auf qualitativ hochwertige Feedbackrunden freuen, denn gegruselt hat sich ja jeder schon einmal, da fallen den Kindern bestimmt gute Überarbeitungstipps ein! Ein Selbstläufer also oder doch nicht?
Sicherlich gibt es den ein oder die andere unter Ihnen, der bei diesem Unterrichtsinhalt die Stirn gerunzelt hat: „In meiner Klasse ist das nicht ganz so einfach. Einige Kinder haben keine Ideen. Andere schreiben Texte, die nicht gruselig sind. Manche verwechseln Brutalität und Gewalt mit Grusel. Und in den Feedbackrunden ist immer nur von gruseligen Adjektiven die Rede …“
Vorahnungen wie diese kommen mir selbst gut bekannt vor (s. Abb. 1 ). Bislang haben sich die Kinder beim Schreiben an dem orientiert, was sie aus der „Erwachsenenwelt mitgenommen und für „gruselig befunden haben. Doch dieses Mal sollte es anders werden, und das wurde es auch!
Texte als Kontexte
„Wer schreibt, hat immer schon gelesen, Vorgelesenes gehört, Bilder gesehen. Dabei geht es nicht um Imitation, sondern um Adaption und Transformation (Dehn et al. 2011, S. 8). Kinder benötigen Orientierungsmöglichkeiten für Textmuster und den Umgang mit ihnen, wenn sie selbst als Schreiberinnen und Schreiber tätig werden.
Vielleicht haben sie bislang selten oder noch nie eine Gruselgeschichte gelesen? Vielleicht haben sie noch nie darüber nachgedacht, was eine Geschichte eigentlich gruselig macht oder welche Wirkung sie erzeugt? Deshalb habe ich für meine Schülerinnen und Schüler zunächst einen lernförderlichen Kontext geschaffen, der ihnen die Möglichkeit bietet, sich mit (fremden) gruseligen Texten auseinanderzusetzen, sich von ihnen in den Bann ziehen zu lassen und dabei das (sprachlich) Besondere an ihnen zu entdecken.
Texte lesen
Die Auseinandersetzung mit fremden Gruselgeschichten stellt damit die Basis dieser Unterrichtseinheit dar. Sie dient nicht nur dem späteren Formulieren, sondern insbesondere auch dem Überarbeiten der Texte, die von den Lernenden produziert werden.
Zu Beginn jedoch wird der Klassenraum dem Unterrichtsthema angepasst: ein leicht abgedunkelter Raum, künstliche Spinnweben, Fledermäuse, Spinnen, Kerzenlicht und eine passende Geräuschkulisse von einer Audio-CD sorgen dafür, dass eine gruselige Atmosphäre entsteht, die das spätere Schmökern noch spannender macht. Ich lasse die Kinder in einem Sitzkreis zusammenkommen und sie erzählen, ob und wovor sie sich schon einmal gegruselt haben: Jantje gruselt sich jeden Abend, wenn ihre Zimmertür sich von einem Luftzug scheinbar wie von allein öffnet. Keanu findet es dagegen gruselig, wenn er in den Keller gehen soll, um neue Wasserflaschen zu holen. Vielleicht versteckt sich dort ja ein Einbrecher oder ein Monster? Leana glaubt nicht an Monster, Geister oder Hexen sie hat sich noch nie gegruselt.
Mal schauen, ob wir das in den nächsten Stunden ändern können. Zunächst lese ich die Geschichte „Der Hexenschatz vor (M1). Gemeinsam sprechen wir darüber, wie der Text auf uns wirkt: Wo war die Geschichte besonders gruselig? Warum? Welche Gedanken hatten die Kinder dabei? Anschließend dürfen sich die Kinder allein oder zu zweit aus einer großen Sammlung von Gruselgeschichten bedienen, die ich für die heutige Doppelstunde mitgebracht habe. Die verbleibende Unterrichtszeit verbringen wir schmökernd und genießen...

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