1. – 4. Schuljahr

Figurenrede zur Rede gestellt

Kinder erproben literarische Mittel der Redewiedergabe

Im Abgleich mehrstimmig gestalteter kinderliterarischer Texte mit Merksätzen zur wörtlichen Rede erweitern Kinder in Klasse 4 ihr sprachliches Repertoire und Spektrum zur Integration fremder Stimmen in narrativen Texten. Dieses setzen sie gezielt zur Überarbeitung der Figurenrede in authentischen Schülertexten ein.

Birgit Mesch
„Am Anfang und Ende der wörtlichen Rede stehen Redezeichen.
Vor der wörtlichen Rede kann ein Begleitsatz stehen. Danach wird ein Doppelpunkt gesetzt.
Das erste Wort der wörtlichen Rede schreibt man groß.
(Pusteblume Sprachbuch3, 2015, S. 15) Solchen oder ähnlichen stereotypen Merksätzen begegnen Grundschulkinder in Sprachbüchern immer wieder, wenn es um die direkte Rede geht. Diese suggerieren, für die Redewiedergabe seien drei Elemente konstitutiv: die wörtliche Rede, der Redebegleitsatz und die Redezeichen. Meist folgen Übungen zum Wortfeld „sagen.
Diese Sichtweise auf Figurenrede ist nicht nur verkürzt, sie entspricht auch nicht den Leseerfahrungen der Lernenden. Ein Blick ins Lesebuch oder die literarische Freizeitlektüre und die Merksätze sind überführt. Kinderliteratur variiert innere wie äußere Dialoge und Monologe facettenreich. Sie verfolgt literarästhetische Wirkungen, die im Gesamtkontext des jeweiligen Werkes stehen. Die Sprachbücher dagegen setzen um, was Bildungspläne vorgeben. Exemplarisch heißt es dort: „Die Schülerinnen und Schüler können [] Zeichen bei der wörtlichen Rede setzen: vorangestellt, nachgestellt und „Möglichkeiten des Redebegleitsatzes beachten (Bildungsplan Baden-Württemberg, Grundschule Deutsch 2016, S. 37).
Die vorliegende Unterrichts-sequenz konfrontiert die Kinder mit der Verwendung wörtlicher Rede in realen literarischen Erzähltexten. Damit lernen sie zunächst den Facettenreichtum literarisch gestalteter direkter Rede kennen und im Hinblick auf deren Machart und Wirkung durchschauen. Sie kontrastiert diese zu lehrwerksbezogenen Vorgaben mit dem Ziel, diese kritisch zu reflektieren und die neu erworbenen sprachlichen Mittel in eigenen Textüberarbeitungsprozessen erprobend und poetisch funktional anzuwenden.
Vielfalt der wörtlichen Rede entdecken und gestalten
Die Kinder erhalten in der ersten Unterrichtsstunde Auszüge aus kinder-literarischen Texten (s. Abb.und M1) und lesen diese rollenverteilt vor. Dabei stoßen sie auf die Vielfalt narrativer Figurenrede (s. Kasten). Sie geben ihre Beobachtungen und Leseerfahrungen wieder und diskutieren die literarische Wirkung dieser Texte: Die Textausschnitte variieren insofern, dass im Text von Wolfdietrich Schnurre nicht nur keine Erzählsätze, sondern auch keine Redebegleitsätze vorhanden sind. Es entsteht ein an ein „Drama erinnernder Dialog.
Im Textauszug von Peter Härtling (s. M1) fehlen zwar kaum Redebegleitsätze, doch es fehlen die Redezeichen. Die Trägerkon-struktionen sind im vorliegenden Ausschnitt alle nachgestellt. Darinintegriert sind die wörtliche Rede und die Gedankenrede. Alles zusammengenommen wirkt sehr unmittelbar, jedoch weniger „szenisch als bei Schnurre.
Im Textausschnitt aus dem Buch „Die Muskeltiere werden die Figuren von der Autorin Ute Krause durch unterschiedliche Sprechstile charakterisiert (s. M1). Dies betrifft sowohl die konzeptionelle Sprachverwendung (gehoben = konzeptionell schriftlich vs. umgangssprachlich = konzeptionell mündlich) als auch (an anderer Stelle) die Imitation stimmlich-artikulatorischer Sprechweisen (lispeln, zischen). Es sind also nicht nur die Redebegleitsätze und die darin enthaltenen verba dicendi (Wortfeld „sagen, „denken) und sentiendi (Wortfeld „fühlen), die angeben, wie jemand etwas meint.
Die Kinder gleichen dies nun mit schulischen Merksätzen zur wörtlichen Rede ab (s. M2). In Kleingruppen arbeiten sie deren inhaltliche Unterschiede heraus. Dabei stellen sie fest: Keiner der Merksätze berücksichtigt, dass nicht nur der...

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