1. – 6. Schuljahr

Aufsatz adé! Und was nun?

Schreibkompetenzen erwerben und überprüfen

Für den Erwerb, aber auch für die Überprüfung von Schreibkompetenzen ist der Blick nicht nur auf die Textprodukte zu richten, sondern auch auf die Prozesse des Schreibens und Überarbeitens. Das ist in der Schreibdidaktik nicht neu. Nur für den Unterrichtsalltag fehlen allzu oft konkrete Alternativen zum traditionellen Aufsatz. Hier werden erprobte und bewährte Wege vorgestellt.

Beate Leßmann
Schreibkompetent ist jemand, der gute Texte schreiben kann, der aber auch darüber Auskunft geben kann, was einen guten Text ausmacht (s. Absatz „Textqualitäten einschätzen und begründen) und wie man einen solchen verfasst. Und schließlich jemand, der auch dem Schreiben etwas abgewinnen kann, im weitesten Sinne einen Gewinn für sich im Schreiben sieht und sich auf das Schreiben einlässt.
Schreibkompetenzen setzen sich also aus Können, Wissen, Haltungen und Motivation zusammen (Leßmann 2016a, S. 22ff.). Der Ausdruck Schreiben umfasst dabei die verschiedenen Phasen der Textentwicklung: die erste vage Vorstellung des möglichen Textinhalts und der künftigen Rezipierenden des Textes, die gedankliche und konkrete Ausgestaltung des Textes im Schreiben, Planen, Beraten und Überarbeiten und die Präsentation bzw. Veröffentlichung des überarbeiteten Textes. Kompetente Schreiberinnen und Schreiber wissen sich in den verschiedenen Phasen zu helfen.
Wer Texte nach vorgegeben Normen bzw. Kriterien lediglich für die Bewertung durch die Lehrkraft als Zensor schreiben muss, wird Schreiben kaum als sinnstiftend erleben. Der Unterricht sollte also Raum bieten, die Wirkkraft des Schreibens von Texten für das eigene Leben, das gemeinsame Klassen- und Schulleben oder eine größere Öffentlichkeit zu erfahren. Dies passiert, wenn Auto-rinnen und Autoren erleben, dass sie mit ihren Texten eine Wirkung erzielen, etwa wenn sie andere informieren, unterhalten, aber auch trösten oder ermahnen. Ein solcher Schreibunterricht bietet zahlreiche Möglichkeiten der Überprüfung von Schreibkompetenzen.
Im Folgenden werden für vier Bereiche zunächst Wege für den Erwerb und dann für die Überprüfung vorgestellt. Jeweils wird davon ausgegangen, dass regelmäßige Schreibzeiten, in denen die Kinder eigenständig Texte verfassen dürfen, verlässlicher Bestandteil des Unterrichts sind.
Wissen über gute Texte aufbauen und überprüfen
Wer Texte schreibt, möchte sie in der Regel auch gern vorlesen. Erst recht, wenn die Texte gedanklich bereits im Hinblick auf den Vortrag in der Klasse verfasst werden. Das passiert dann, wenn regelmäßig mit der Klasse über eigene Texte gesprochen wird, z.B. in „Autorenrunden (Abb. 1, 2 ; Leßmann 2016a, S. 36ff.). Dabei folgt dem Textvortrag eines Kindes ein Gespräch, in dem vor allem die Qualitäten des Textes herausgearbeitet werden. Die Basis dafür bildet die Frage, welche Wirkung ein Text in den Rezipientinnen und Rezipienten auslöst und wie es zu dieser Wirkung gekommen ist: „Der Text ist lustig, weil du etwas Ungewöhnliches geschrieben hast., „Du hast so spannende Wörter verwendet, deshalb wirkt es spannend auf mich., „Am Ende löst sich alles auf, das ist ein gutes Ende.
Vom ersten Schuljahr an wird darüber nachgedacht, ob ein Text in sich stimmig wirkt ob er kohärent ist und ein „roter Faden (Leßmann 2016a, S. 46ff.) zu erkennen ist. Das Bild bzw. der konkrete rote Faden hilft, gemeinsam darüber nachzudenken, ob sich die Adressaten den Textinhalt in ihren Köpfen vorstellen können. Diese Textqualitäten werden als „Schreibgeheimnisse (Spitta 2015, S. 64) bezeichnet. Sie werden für jeden Text gemeinsam bedacht, formuliert und auf Kärtchen notiert im Klassenraum ausgestellt. Auch die Frage danach, um was für eine Art oder Sorte von Text es sich handelt, bildet Textwissen, das wiederum dokumentiert wird. Die Kinder begründen, warum sie einen Text für eine Geschichte, ein Erlebnis, einen Bericht oder einen Sachtext halten. Schließlich geben...

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