1. – 6. Schuljahr

Christina Kohl, Sandra OehringundMaria Träg-Engerer

Respekt ist eine Sprache für uns alle

Ein Schulentwicklungsprojekt zum Sozialen Lernen

Kennen Sie das auch Kinder, die aus der Pause kommen und noch minutenlang das berechtigte Bedürfnis haben, einen Streit klären zu müssen. Lehrerinnen und Lehrer, die sich zweiteilen müssten, um allen Konflikten adäquat zu begegnen. Kinder, die konfliktträchtige Situationen beobachten, sich aber nicht trauen, einzuschreiten? So war die Situation an unserer Schule in Nürnberg: Knapp 500 Schülerinnen und Schüler. 24 Klassen. Sehr heterogene Schülerschaft. Migrationsanteil bei über 80Prozent. 60 Lehrkräfte. Drei kooperierende Horte. Zwei Schulsozialpädagogen. Alle waren sich einig: So konnte es nicht weitergehen. Wir müssen etwas tun.
Vorüberlegungen zum Projekt
Vor dem Start des eigentlichen Schulentwicklungsprojekts wurde bereits mit einem Sozialziele-Katalog schulweit gearbeitet. Das heißt: Alle Klassen hatten zur gleichen Zeit ein gemeinsames Ziel. Dieses wurde im Klassenzimmer ausgehängt und per Feedback mit den Kindern besprochen, ob es erreicht wurde oder nicht. Ein Anfang war gemacht. Die Klassenlehrkräfte gaben die Rückmeldung, dass diese Art der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern in der eigenen Klasse oft als sehr gängelnd empfunden wurde. Häufig passte das gewählte Ziel nicht zur Klassensituation. Auch fehlten Anreize und Impulse zur Umsetzung. Das Sozialziele-Team, welches aus den Schulsozialpädagogen und einigen Lehrkräften bestand, hatte sich bereits zusammengefunden und wertete dieses schriftliche Feedback aus. Ein verändertes Vorgehen musste her. Es sollte von allen getragen werden, um erfolgreich in der Umsetzung zu sein. Aus diesem Grund fand eine Konferenz statt, in der im Fokus stand: Wo wollen wir hin mit der Sozialerziehung in unserer Schule? Wie soll diese gestaltet werden?
Dazu sollten sich die Lehrkräfte im Vorfeld Gedanken machen und diese auf Plakaten im Lehrerzimmer notieren. Themenschwerpunkte der Plakate waren:
  • Was soll der Inhalt, das Ziel der Sozialerziehung an unserer Schule sein?
  • Wie viel Zeit können die Kolleginnen und Kollegen in ihrer täglichen Arbeit investieren?
  • Welcher didaktische Ort ist denkbar?
  • Sollen Eltern und Schüler einbezogen werden? Wenn ja, wie?
Diese und noch einige andere Fragen beantworteten die Kolleginnen und Kollegen schriftlich in Stichpunkten auf den Plakaten, die für einen Zeitraum von einer Woche im Lehrerzimmer aufgehängt waren.
Die Ergebnisse dieser Konferenz
Wir verständigten uns auf folgende Punkte:
  • Ein gemeinsames Ziel: Ja, wir wollen ein gemeinsames Ziel für unsere Schule fokussieren. Es soll für das gesamte Schuljahr Gültigkeit haben und lautet: „Wir gehen respektvoll miteinander um.
  • Bestandsschutz für Bewährtes: Bereits etablierte Dinge sollen bestehen bleiben. So dürfen die Streitschlichterinnen und Streitschlichter sowie die Pausenhelferinnen und Pausenhelfer weiterhin zum Einsatz kommen. Ihre Wichtigkeit soll wieder mehr in den Fokus rücken. Auch das Silentiumzimmer, in dem Kinder eine Pausen-Auszeit nehmen, soll weiterhin geöffnet sein.
  • Individuelles Arbeiten mit der eigenen Klasse: Das eher breitgefächerte Ziel, eines respektvollen Umgangs miteinander, ermöglicht es, individuelle Ziele auf Klassenebene zu finden.
  • Partizipation und Information: Alle an der Erziehung Beteiligten sollen aktiv eingebunden sowie informiert werden: die Eltern, die Horte, die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, alle Lehrkräfte und natürlich auch und ganz besonders die Kinder.
  • Visualisierung und Würdigung: Ein rasch durchschaubares System soll bei der Umsetzung der Ziele helfen und zur Würdigung dienen. Wettbewerbscharakter darf dieses System nicht haben, widerspräche dieser Gedanke doch dem Ziel, ein Miteinander aufzubauen, in dem jeder dem anderen hilft.
Für den Schulentwicklungsprozess bedeutete diese Übereinkunft das Erreichen des ersten Meilensteins: Wir hatten einen Konsens...

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