1. – 2. Schuljahr

Sonja Birkle

Gib mir ein Wort!

Individuelles Lernen mit einem Bilderbuch

Wie Kinder sich Wortbedeutungen erschließen, Wörter erklären und mit Hilfe von Hörmedien neue Wörter lernen zeigt das Beispiel eines Literaturprojektes zum Bilderbuch „Bené, schneller als das schnellste Huhn von Eymard Toledo.

Wörter im Kontext entschlüsseln
Die Kinder der zweiten Klasse lernen den Protagonisten Bené in einer Vorlesesituation kennen. Sie erfahren, dass er mit vollem Namen Benito da Silva heißt, ein gelbes Trikot trägt und Fußball für ihn das Wichtigste ist. Und dass seine Mutter eine köstliche „Feijoada zubereiten kann. Was könnte das sein?
„Ein Fisch vielleicht, die haben oft so komische Namen. Oder: „Kuchen oder eine Torte, die heißen meistens kompliziert. Oder: „Eine besondere Eiersorte, weil da Hühner auf dem Bild sind. So vermuten die Zweitklässler im Unterrichtsgespräch. Etwas zu essen muss es sein, und lecker schmecken muss es auch, da sind sich alle einig.
Als Erklärung für ihre Vermutungen nutzen die Kinder ihr Wissen um die Wortbedeutung von ‚zubereiten, benutzen Synonyme aus ihrem aktiven Wortschatz: „Weil die Mutter etwas Leckeres kocht, oder „weil sie ganz gutes Essen richtet. Dann kommt die Auflösung: Feijoada ist portugiesisch und der Name für einen Eintopf mit schwarzen Bohnen und Fleisch. Also haben sie recht gehabt! Die Wortbedeutung steht auf einer Karte, auf der Rückseite ist ein Bild des Eintopfes.
Diese Karte mit dem besonderen portugiesischen Wort legen wir in eine goldene Schatzkiste. Dort soll im Laufe des Literaturprojektes zu dem Bilderbuch „Bené, schneller als das schnellste Huhn von Eymard Toledo eine Wörtersammlung in verschiedenen Sprachen entstehen. Die Lehrerin berichtet den Zweitklässlern, dass Bené in Brasilien lebt und portugiesisch spricht. Deshalb kommen in der Geschichte noch sechs weitere portugiesische Wörter vor. Die sollen auch noch in die goldene Kiste wandern. Da Bené aus einem anderen Land kommt und eine andere Sprache spricht, fühlen sich die Kinder der Lerngruppe, die Deutsch als Zweitsprache (DaZ) sprechen, besonders angesprochen. Sie beteiligen sich motiviert am Unterrichtsgespräch und sind begierig, mehr über Bené zu erfahren. Wörter, die sie nicht kennen, erschließen sie sich dabei aus dem inhaltlichen Kontext. Doch welche Bedeutung genau sich hinter den Wörtern verbirgt, ist zum Teil schwer zu erklären.
Wortbedeutungen klären
Ausgangspunkt für das Nachdenken über die Wortbedeutungen ist eine Leseaufgabe. Die Kinder erhalten einen Textteil auf Satzstreifen, die sie gemeinsam mit ihrem Partner lesen. Dann bringen sie die Sätze in eine sinnvolle Reihenfolge. Wir vergleichen unsere Versionen, auch mit dem Text der Autorin. Dazu lesen die Kinder genau, verstehen den Sinn des Gelesenen und stellen einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den Sätzen her. Begründet wird die gewählte Reihenfolge mit Wörtern, die auf der Textoberfläche in Bezug zueinander stehen, zum Beispiel: „Papa verkauft die Bälle.“– „Alle guten Spieler in unserer Gegend kaufen unsere Bälle.
Indem einzelne Kinder der zweiten Klasse diese Wörter (in der Linguistik als Kohäsionsmittel bekannt) als ‚Verbindungsstücke identifizieren, zeigen sie implizit vorhandenes sprachliches Wissen. Andere Kinder vollziehen die sprachlichen Überlegungen der Mitschülerinnen am Beispiel nach und entdecken so Beziehungen zwischen den Wörtern eines Textes.
Wir sprechen zunächst über den Inhalt: Was wissen wir bereits über Bené? Was möchten wir gern wissen? Dabei rücken die Nomen als Inhaltswörter in den Vordergrund.
Die Kinder markieren einzelne Nomen im vorliegenden Text. Die wollen wir erklären und in unserer Schatzkiste für Wörter sammeln. Als Beispiel erklären wir gemeinsam, was ein Ball und was eine Aufgabe ist. Den Ball beschreiben wir mühelos: „Er ist rund. Er kann rollen und du kannst mit ihm spielen. Bei der Aufgabe müssen wir länger überlegen. Im Anschluss wählen die Kinder sich nach...

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