1. – 4. Schuljahr

Anja Wildemann und Claudia Rathmann

Sprachförderung in der Klasse

Sprach(en)sensibel empathisch aufmerksam

Nicht zuletzt durch den aktuellen Migrationsprozess ist einmal mehr die Sprachförderung in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt: ein wichtiger Aspekt von Unterricht, nicht nur des Deutschunterrichts. Genauso wichtig wie die Ausweitung sprachförderlicher Elemente auf alle Unterrichtssituationen, ist es, alle Kinder dabei in den Blick zu nehmen.

Sprachförderung im Wandel
Lange Zeit war Sprachförderung vor allem defizitorientiert. Es ging in erster Linie darum, Förderbedarfe zu erkennen und durch gezielte Fördermaßnahmen zu beheben, zum Beispiel im Rahmen von Trainingsprogrammen. Kinder sollten „fit gemacht oder „auf den Stand gebracht werden, um erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können. Dass Sprachförderung nicht vorwiegend isoliert stattfinden muss und oft für alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse wichtig ist, wird bei dieser Sichtweise vernachlässigt.
Nicht ohne Grund melden sich immer mehr Stimmen, die die Wirksamkeit verschiedener Sprachförderprogramme in Frage stellen. So bilanziert eine Expertengruppen, die ein Jahr lang den Bestand und den Bedarf an Sprachdiagnose und Sprachförderung aus Sicht der Forschung analysiert hat, dass Diagnose- und Fördermaßnahmen noch allzu häufig zu unkoordiniert und methodisch unsauber durchgeführt würden. Auch mangele es an passgenauen Diagnoseinstrumenten sowie dem notwendigen Fachwissen über sprachliche Entwicklungsverläufe bei denjenigen, die für die Diagnose und Förderung verantwortlich seien (s. Kasten 1).
Bestandsaufnahme Sprachdiagnose
Bestandsaufnahme Sprachdiagnose
Bilanz zum Stand von Sprachdiagnose und -förderung
  • Es gibt zahlreiche, jedoch unkoordinierte und im Qualitätsstand unvereinbare Erhebungs- und Fördermaßnahmen, die über eine Ad-hoc-Aktivität nicht hinausgehen.
  • Sprachstandsfeststellunsverfahren bedürfen besserer und der Komplexität der Sache angemessener wissenschaftlicher Fundierung.
  • Ihre bisherige Heterogenität hinsichtlich Gegenstandsdefinition, Methodik und Ausführungsqualifizierung verbietet einen einfachen Vergleich.
  • Eine Sprachstandsfeststellung impliziert noch keine bestimmte Förderentscheidung.
  • Evaluationen diagnostischer Instrumente stehen noch aus.
  • Entwicklungen für höhere Jahrgangsstufen und für vernachlässigte sprachliche Qualifikationen wie deren Interrelation fehlen völlig.
  • Es mangelt an Grundlagenkenntnissen über sprachliche Aneignungsprozesse in der Schule und mit Blick auf die Berufsfähigkeit.
  • Es mangelt an wissenschaftlich verantworteten Interventionen.
  • Qualifizierungsforschung und Qualifizierungskonzepte sind institutionenübergreifend auszubilden und geeignet zu implementieren.
[Quelle: Redder et al. 2001, S. 6]
Seit 2011 hat sich einiges getan. Das ist unter anderem auf die bundesweiten Projekte FiSS, BiSS und auf die Gründung des Mercator-Instituts sowie auf die Einrichtung des Forschungsschwerpunkts „Sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit zurückzuführen. Alle Initiativen verbindet das Ziel, Sprachdiagnose und -förderung bzw. sprachliche Bildung auf lange Sicht verbessern zu wollen. In den Blick genommen werden unter anderem Diagnoseinstrumente und Förderkonzepte, aber auch das Wissen und Können der pädagogischen Fachkräfte, also jene Bereiche, die in der Bilanz von Redder et al. (2011) kritisch gesehen wurden. Man hat sich also auf den Weg gemacht (s. Kasten 2)
Initiativen zur Sprachförderung
Initiativen zur Sprachförderung
FiSS
Die Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung (FiSS) hat von 2009 bis 2016 zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt. Ziel von FiSS war es, empirisch fundiertes Wissen über die Aneignung, Diagnose und Förderung sprachlicher Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen bereitzustellen. Die Ergebnisse sind publiziert in:
Angelika Redder/Johannes Naumann/Rosemarie Tracy (Hg.): Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung ...

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