1. – 4. Schuljahr

Patricia Goebel

Sprachförderung in alltäglichen Kontexten

Erfahrungen in Kita und Grundschule

Ein wissenschaftlich begleitetes Forschungsprojekt führt in die Anwendung von Sprachförderstrategien ein und schult im Sinne einer Professionalisierung ihren Einsatz. Grundlage für das konstruktive Feedback sind Filmaufnahmen aus dem Unterricht.

Das Projekt zur alltagsintegrierten Sprachförderung, das ich hier vorstellen möchte, ist eine Professionalisierungsmaßnahme des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS). Deren Ziel ist es, die in den Bundesländern eingeführten Angebote zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung für Kinder und Jugendliche im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Effizienz wissenschaftlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau) konzipieren zwei Fortbildnerinnen aus dem Elementar- und Primarbereich eine aus neun Fortbildungstagen und zwei individuellen Coachings bestehende Fortbildungsreihe, die sie auch durchführen (Kammermeyer/Goebel et al. in Vorbereitung).
Inhaltliche Schwerpunkte
Das Fortbildungsangebot richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher und an Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam. Inhaltlich stehen dabei Sprachförderstrategien im Vordergrund, die sich empirisch bewährt haben (siehe u.a. Dannenbauer 1994; Whitehurst et al. 1994). Die Teilnehmenden sollen die Sprachförderstrategien, wie Frage-und Modellierungsstrategien, Strategien zur Begriffsbildung und Rückmeldestrategien, gezielt und bewusst in möglichst allen Situationen des alltäglichen Unterrichts einsetzen können.
Die Fortbildung fokussiert also auf die Mikroebene des Unterrichts. Ziel ist eine Steigerung von Qualität und Quantität der sprachlichen Erwachsenen-Kind-Interaktion. Die Verbesserung der Interaktionsqualität soll über den gezielten Einsatz von Strategien erreicht werden, die Schülerinnen und Schüler zum Sprechen anregen und kognitiv aktivieren. Die Quantität soll erhöht werden über das häufigere Herbeiführen von Situationen, die sich in besonderem Maße für den Einsatz der sprachförderlichen Strategien eignen.
Methodische Schwerpunkte
Ein Schwerpunkt des Fortbildungskonzepts liegt auf der Reflexion und Analyse von eigenen Filmaufnahmen der Teilnehmenden. Die Scheu, sich während der Interaktion mit Schülerinnen und Schülern zu filmen, diese Filmaufnahmen anzuschauen und darüber hinaus zu analysieren, ist bei den teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrern anfangs sehr groß. Als Lehrer oder Lehrerin reflektiert man selten das eigene sprachliche Handeln kriteriengeleitet, und noch seltener erhält man Feedback und Optimierungsvorschläge durch Kolleginnen und Kollegen oder Fortbildnerinnen.
Die Filmaufnahmen werden zu Beginn der Fortbildungsreihe in Kleingruppen mithilfe der bereits eingeführten Sprachförderstrategien reflektiert. Dabei kann sich die Hauptperson des Filmes Optimierungsvorschläge erbitten. Im weiteren Verlauf der Fortbildung und mit zunehmender Sicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Frage des Einsatzes der Sprachförderstrategien werden die Filme auch im Plenum gezeigt und gemeinsam unter zwei Fragestellungen reflektiert und diskutiert:
  • Welche Strategien wurden gezielt eingesetzt?
  • Wie hätte man in sprachlicher Hinsicht an welcher Stelle anders reagieren können?
Auch beim zweimaligen Coaching durch die Fortbildnerin stellen diese Filmaufnahmen die Grundlage für die Reflexion des eigenen sprachlichen Handelns dar. Fast alle Teilnehmenden äußern sich nach anfänglichen Hemmungen sehr positiv über die Arbeit mit den eigenen Videos. „Aus der Analyse meiner eigenen Filme und dem Feedback der Kolleginnen und Fortbildnerinnen habe ich am meisten gelernt, lautet ein Feedback.
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Nähere Informationen zu den im Beitrag angesprochenen Inhalten der Fortbildungsreihe finden Sie in dem Materialband...

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