1. – 4. Schuljahr

Franziska Egert

Sprachförderung: additiv oder integrativ?

Der Forschungsstand im Überblick

Es gibt viele Arrangements für die Sprachförderung: mit einzelnen Kindern, in Kleingruppen, durch die Lehrerin oder den Lehrer oder durch Externe. Die Effekte variieren, je nach dem konkreten Förderbedarf. Was allerdings eine uneingeschränkt bessere Wirkung zeigt, ist die Förderung in Alltagssituationen.

Die Befunde des Bildungsberichts 2014 zeigen, dass 23 Prozent der fünfjährigen Kinder als sprachförderbedürftig eingeschätzt werden (Autorengruppe Bildungsberichtserstattung 2014). Ein substanzieller Teil der Erstklässler kommt also mit geringen sprachlichen Fähigkeiten in die Grundschule. Die Erwartungen an die kompensatorische Förderung benachteiligter Kinder vor dem Schuleintritt sind gestiegen.
Als Reaktion darauf sind in den letzten Jahren unterschiedliche Sprachförderansätze in Kindertageseinrichtungen eingeführt worden. Allerdings ist nur ein erschreckend kleiner Teil der Material- und Trainingsangebote wissenschaftlich auf ihre Wirkung hin untersucht. Die erfolgreichen Sprachfördermaßnahmen werden hier vorgestellt. Außerdem wird der Frage nachgegangen, wie Sprache am besten gefördert werden kann: additiv oder integrativ.
Wirkung integrierter und additiver Sprachförderung
Für eine vergleichende Gegenüberstellung der Effektivität von additiven und integrativen Sprachförderverfahren wurden der gesamte Forschungs- und Literaturstand dazu gesichtet und die Qualität der Studien eingeschätzt (vgl. Egert/Hopf 2016). Aus diesem Review und unter Einbeziehung aktuellerer Studien lassen sich die folgenden Ergebnisse ableiten:
1. Alltagsintegrierte Sprachförderung für Kinder unter drei Jahren ist sehr erfolgsversprechend
Insgesamt fanden sich drei Studien, die die Wirkung alltagsintegrierter Förderung auf sprachauffällige und unauffällige Kinder nachweisen. Bei den drei Studien wurde durch ein intensives Interaktionstraining die sprachliche Umwelt optimiert, indem zum Beispiel die Aussagen der Kinder erweitert oder die Kinder durch offene Fragen zum Sprechen motiviert wurden. Zu erwähnen ist, dass es kein additives Programm für Kinder im Krippenalter gibt.
2. Alltagsintegrierte Sprachförderung zeigt auch bei Vorschulkindern Wirkung
Im Rahmen von zwei Studien wurden die Effekte eines intensiven Heidelberger Interaktionstrainings (s. Kasten) sowohl auf sprachauffällige als auch auf mehrsprachige Kinder nachgewiesen. Nach den Befunden anderer Studien waren weniger strukturierte Fortbildungen für Fachkräfte zur alltagsintegrierten Sprachförderung kaum wirksam.
3. Die Ergebnisse zu den Effekten additiver Sprachförderung sind inkonsistent
Die Effekte der unterschiedlichen Durchführungsbedingungen müssen genauer betrachtet werden.
1. Strukturierte Programme, durchgeführt von pädagogischen Fachkräften
Insbesondere bei flächendeckend eingeführten strukturierten additiven Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Vorkurs in Hessen, „Sag mal was! in Baden-Württemberg oder „KIKUS im Großraum München, konnte keine Wirkung nachgewiesen werden (Egert 2017). Das Ausbleiben der Effekte wird unter anderem mit der heterogenen Durchführung, zu großen Kleingruppen und der womöglich unzureichenden Qualifizierung der Fachkräfte erklärt (Hofmann et al. 2008).
2. Strukturierte Programme, durchgeführt von Externen
Positive Befunde finden sich bei kleinen Pilotstudien, bei denen die strukturierte und standardisierte Kleingruppenförderung von einer externen Sprachförderkraft durchgeführt wurde. Einerseits ist anzunehmen, dass durch die Förderung durch eine Person die Qualität gesichert wurde, anderseits ist aber nicht auszuschließen, dass durch die Studien lediglich die besondere „Sprachförderkompetenz dieser einen Person erhoben wurde.
3. Kleingruppenförderung ohne Vorgaben
Dieses Format ohne Vorgabe von Inhalt und Material blieb weitgehend wirkungslos. Es scheint nicht ausreichend für die systematische Unterstützung der...

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