3. – 4. Schuljahr

Astrid Rank

„Das ist so ein Prinzip …“

Sprachförderung in naturwissenschaftlichen Lernsituationen

Naturwissenschaftliche Interaktionssituationen können gut für die Sprachförderung genutzt werden, das ist mittlerweile auch durch Studien belegt. Wie beim naturwissenschaftlichen Experimentieren mit Kindern der mündliche Sprachgebrauch gefördert werden kann, zeigt der Beitrag.

Experimentieren sprachdidaktisch betrachtet
Naturwissenschaftliches Experimentieren macht Kindern Spaß. Sie handeln und erfahren sich als wirksam, wenn Aktionen zu Reaktionen führen: Wird ein Schokokuss in Vakuum gebracht, so dehnt er sich aus! Jeder, der dieses Experiment schon mit Schülern durchgeführt hat, weiß, wie verblüffend das ist und wie viele Fragen diese Beobachtung auslöst.
Aber naturwissenschaftliches Experimentieren erschöpft sich nicht im Hantieren mit Material. Das Experiment darf kein Selbstzweck sein. Ein Experiment hat im naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozess einen festen Platz: Es dient der Beantwortung von Fragen, die Kinder an die Natur stellen, und es wirft weitere Fragen auf. Die Abfolge im naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozess sieht acht Schritte vor (s. Tabelle ).
Um die Stufen dieses Prozesses einzuüben, bieten sich Kärtchen, ein Leporello oder ein Fächer an, wo jede einzelne Stufe benannt und von den Schülerinnen und Schülern der Reihe nach bearbeitet wird (M1 ). Die laminierten Streifen können einzeln auf den Tisch gelegt, mit einer Klammer zu einem Fächer oder mit einer Spiralbindung verbunden werden. Dann werden sie der Reihe nach bearbeitet.
Ein sinnvolles Setting für das Experimentieren ist die Arbeit in Kleingruppen oder Stationen. Der Fächer enthält Impulse, die die Kleingruppe der Reihe nach bearbeiten kann und die zur sprachlichen Auseinandersetzung auffordern. Aber auch im Klassenverband können die Aufgaben bearbeitet werden.
Sprachanregende Kommunikation
Im Folgenden soll am Beispiel „Schwimmen und Sinken gezeigt werden, wie im Kontext eines Experiments in der Kita oder im ersten Schuljahr sprachförderlich kommuniziert werden kann. In unserem Beispiel liegen verschiedene Gegenstände vor den Kindern: mehrere gleich große Quader aus Metall, Holz und Plastik, mehrere weitere Gegenstände wie Knöpfe aus verschiedenen Materialien, Büroklammern, Schalen usw. und natürlich eine Wasserwanne.
Die Kinder arbeiten in einer Kleingruppe, zeitweise auch mit der Lehrerin oder dem Lehrer, und gehen den Fächer mit den naturwissenschaftlichen Schritten der Reihe nach durch. Sie werden angehalten, Fragen zu stellen und Hypothesen zu bilden. Zunächst beschäftigen sie sich mit der Frage: „Was schwimmt, was sinkt? Die eigentliche Frage, die die Kinder klären, ist dann aber: „Warum sinkt ein Teil der Gegenstände und ein anderer schwimmt? Naturwissenschaftlich erfahren die Kinder in dieser Einheit, dass es vom Material abhängt, ob ein Körper schwimmt, und nicht von seiner Größe. Daran können sich dann Experimente zu Dichte und Auftrieb anschließen.
Während der Kleingruppen-Arbeitsphase hat die Lehrerin oder der Lehrer die Möglichkeit, mit einer Gruppe gezielt sprachförderlich zu arbeiten und die Kinder zu unterstützen. In Studien haben sich verschiedene Möglichkeiten der Sprachanregung bewährt. So erfasst etwa das Beobachtungsinstrument Do-RESI von Fried und Briedigkeit (2008) Möglichkeiten, wie Lehrerinnen und Lehrer sich in naturwissenschaftlichen Situationen sprachanregend verhalten können:
  • Kongruenz herstellen
  • Empathisch zuhören
  • Anregungen geben
  • Handlungen verbalisieren
  • Informationen, Berichte einholen
  • Lernmöglichkeiten aufzeigen
  • Vielfalt des Wortschatzes ermöglichen und anregen
  • Grammatisch komplexen Input geben
  • Offene Fragen stellen
  • Themen benennen und entdecken lassen
  • Themen verbinden
  • Zusammenhänge eines Themas erklären und hinterfragen
Beispiele aus der mündlichen Interaktion
An einigen Beispielen mit mehrsprachigen Kindern lässt sich zeigen, wie die Lehrerin oder der Lehrer in...

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