3. – 4. Schuljahr

Marcus Prade und Susanne Riegler

„Wörter in allen Formen, Klängen und Größen

Mit einem Bilderbuch Klang und Schrift des Arabischen erkunden

In dem mehrsprachigen Bilderbuch „Am Tag, als Saída zu uns kam begeben sich zwei Mädchen auf eine Sprachentdeckungsreise. Sie nehmen den Leser in Bild und Wort mit zu den Schauplätzen ihrer sprachlichen Abenteuer und machen sprachvergleichendes Lernen zum Gegenstand der Freundschaft, die sich zwischen ihnen entwickelt.

Ein mehrsprachiges Bilderbuch als Ausgangspunkt
Am Tag, als Saída in die Klasse kam, sprach sie nicht. Aber wie ihre neue Freundin, die Erzählerin der Geschichte, bald herausfindet, hat Saída ihre Sprache nicht etwa verloren. Sondern ihre Sprache, das Marokkanisch-Arabische, ist anders: Sie klingt anders, „voller CH, wie es die Ich-Erzählerin formuliert, und sie wird mit Buchstaben geschrieben, „die manchmal wie Blumen und manchmal wie Insekten aussehen (Gómez Redondo/Wimmer 2016, S. 15).
Das Bilderbuch „Am Tag, als Saída zu uns kam von Susana Gómez Redondo (Text) und Sonja Wimmer (Illustrationen) erzählt aus der Perspektive einer namenlos bleibenden Ich-Erzählerin von ihrer Freundschaft mit Saída, einem Mädchen, das aus im Buch nicht genannten Gründen eines Tages aus Marokko nach Deutschland kommt. Die anfängliche Sprachlosigkeit Saídas führt zur Annäherung der beiden Mädchen und setzt einen intensiven wechselseitigen Sprachlernprozess in Gang: Die Ich-Erzählerin bringt Saída einzelne Wörter der deutschen Sprache bei und schreibt sie für sie auf; im Gegenzug übersetzt Saída diese Wörter für die Ich-Erzählerin in ihre Sprache und Schrift. Auf der Bildebene sind die Spuren dieses wechselseitigen Wörterlehrens und -lernens eindrücklich dargestellt: Die großformatigen Bilder sind durchzogen von Einzelwörtern, die jeweils auf Deutsch und Arabisch, das heißt in lateinischer und arabischer Schrift, sowie in einer die Lautung andeutenden Umschrift präsentiert werden.
Heidi Rösch (2018, S. 12) spricht dem Bilderbuch „Am Tag, als Saída zu uns kam in der Vielzahl neuerer Bilderbücher zur Flucht-Thematik eine Sonderrolle zu, denn wie kaum ein anderes Werk macht das Buch die Sprache des geflüchteten Mädchens sichtbar und zeigt Saída als Zweisprachige, die nach einer Weile selbstbewusst mit beiden Sprachen jongliert und ihre Sprache gern mit ihrer Freundin, der „einheimischen Ich-Erzählerin, teilt (vgl. ebd., S. 11). Umgekehrt begegnet diese der Sprache des eingewanderten Mädchens mit Neugier und Interesse. Es geht der Ich-Erzählerin nicht nur darum, Saída beim Erwerb der neuen Sprache zu helfen, sie möchte Saídas Sprache lernen: „Damit ich mich verständigen konnte, wenn ich einmal nach Marokko fahren würde Das beschloss ich am Tag, als Saída zu uns kam. (Gómez Redondo/Wimmer 2016, S. 14)
Das Bilderbuch lädt dazu ein, es der Erzählerin gleichzutun und sich, wie es im Buch heißt, auf „Wörter in allen möglichen Formen, Klängen und Größen (ebd., S. 19/20) einzulassen. Durch das direkte Nebeneinander von lateinischer, arabischer und (vereinfacht) phonetischer Schrift bieten die auf den Seiten verstreuten Wörter einen hervorragenden Ansatzpunkt für die kontrastive Spracharbeit, die sich hier besonders auf Klang und Schrift der beiden Sprachen beziehen kann
(s. Kasten).
Besonderheiten in Schrift und Aussprache des Arabischen
Als eine der ältesten überlieferten Sprachen mit mehr als 3000 Jahren Geschichte verzaubern die kunstvollen arabischen Schriftzeichen durch ihre filigranen Formen. Die leicht fließenden Buchstabenverbindungen stehen im Kontrast zum eher rauen, kehligen Klang des Arabischen (vgl. Zeldes/Kanbar 2014, S. 139).
„So exotisch die Schrift aussieht, so ist sie doch eine Schrift wie die unsere, die in vielen Fällen einen Buchstaben für einen Laut verwendet. (ebd., S. 140) Kleine Punkte über oder unter den einzelnen Konsonanten wirken bedeutungsunterscheidend.
Zur Veranschaulichung können die Schriftzeichen für die...

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