2. – 4. Schuljahr

Regine Miehling

Wie kann man noch dazu sagen?

Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf reflektieren Sprache

Wie kann der eher spröde Lernbereich „Sprache reflektieren mit Kindern erschlossen werden, die in den Bereichen „Sprache und „Lernen sonderpädagogischen Förderbedarf haben? Die hier vorgestellte Einheit stellt sich dieser Herausforderung und macht Vorschläge für den Unterricht auch an Regelschulen.

Die deutsche Sprache ist reich an Synonymen für Wörter und Begriffe, insbesondere wenn man die regionalen Sprachfärbungen und Dialekte mit einbezieht. Das Wort „Unsinn beispielsweise kann nicht nur durch Begriffe wie „Unfug, „Schwachsinn, „Quatsch oder „Blödsinn ersetzt werden, sondern im süddeutschen Raum auch durch „Krampf, „Schmarrn oder „Kaas. Ein Beispiel, wie viele unterschiedliche Bezeichnungen es für ein und dasselbe geben kann, ist der Begriff für „Brotanschnitt. In der oberbayerischen Mundart wird dieser „Scherzl genannt, im Rheinland „Knippchen und in manchen Familien sagt man auch „Knus oder „Kanten dazu.
Diese Vielzahl an Synonymen ist Ausgangspunkt der vorgestellten Unterrichtsidee, in deren Verlauf die Schülerinnen und Schüler Wörter, die besonders variantenreich ausgedrückt werden können, auf ihre Synonyme hin untersuchen. In einem ersten Zugang tun sie das ausgehend von ihrem eigenen sprachlichen Wissen, anschließend dann, indem sie beliebig ausgewählte Personen mit unterschiedlichem sprachlichen Hintergrund befragen. So entsteht eine große Sammlung von Wörtern und Begriffen, die im Prinzip alle das Gleiche meinen. Diese intensive Beschäftigung mit wenigen (in diesem Fall vier) ausgewählten Wörtern über mehrere Unterrichtsstunden hinweg bietet den Kindern die Lernchance, im handelnden Umgang mit der sprachlichen Einheit Wort ein Bewusstsein für Sprache in ihrer Gesamtheit zu entwickeln.
Am Anfang steht die Suche nach passenden Begriffen: Sie sollen mannigfach ausgedrückt werden können, bildlich eindeutig darzustellen sein und die drei Grundwortarten abdecken. Ideengeber ist dabei das im Usborne-Verlag erschienene Buch „Meine Wortschatz-Wunderkiste, dessen ansprechende Illustrationen unterschiedliche Wortfelder auf peppige Art und Weise beleuchten. Die Wahl fällt auf „essen, „wütend, „Mund und „hinfallen.
Welche Wörter passen?
Zu Beginn der ersten Unterrichtseinheit kommen die Kinder zum Sitzhalbkreis vor die Tafel. Die Lehrerin hängt das Bild „essen (M2 ) an die Tafel, und die Kinder äußern sich dazu. Nach dem Hinweis, dass es um die Tätigkeit des Mädchens und möglichst viele verschiedene Bezeichnungen dafür geht, gibt es bereits zahlreiche Wortvorschläge, die die Lehrerin unkommentiert um das Bild herum aufschreibt. Auf dieselbe Weise werden die drei anderen Bilder präsentiert. Bei jedem neuen Bild werden die Kinder mutiger und finden mehr Wörter, sodass wir nach dem Einstieg bereits einiges an Synonymen für die Begriffe gefunden haben.
In Gruppen weitersuchen
Nun werden die Kinder in vier leistungsdifferente Gruppen (für jedes Wort eine Gruppe) eingeteilt. In jeder Gruppe gibt es drei unterschiedliche Rollen, die vor Beginn der Gruppenarbeit festgelegt werden: Wer übernimmt den Part des Lesens? Wer klebt bzw. wer schreibt? (Gruppe 4) Und wer präsentiert das Ergebnis? Der Arbeitsauftrag für alle vier Gruppen lautet: „Gestalte mit Hilfe der Wortkarten ein Plakat, auf dem möglichst viele Wörter für das auf dem Bild Dargestellte zu finden sind!
Die Umsetzung dieses Arbeitsauftrages richtet sich nach dem Kompetenzniveau der Schüler (M1 ):
  • Gruppe 1 erhält vorbereitete Wortkarten mit bis auf drei eindeutig unpassende Verben Synonymen für das Wort „essen.
  • Gruppe 2 erhält ebenfalls Wortkarten zum Auswählen, allerdings sind die nicht passenden Begriffe zahlreicher und nicht mehr ganz so eindeutig.
  • Die Wörter auf den Karten zu „Mund der Gruppe 3 enthalten teilweise Lücken, die die Schülerinnen und Schüler füllen müssen, um den...

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