3. – 4. Schuljahr

Lena Bien-Miller

Von wahren und falschen Freunden

Wörter und ihre Bedeutungen vergleichen

Freundschaft ist keinesfalls nur uns Menschen vorbehalten. Mitunter können sogar Wörter Freundschaften miteinander eingehen. Was hat es mit wahren und falschen Wortfreundschaften auf sich und wie können sie zur Sprachreflexion im Deutschunterricht genutzt werden?

Verlässlichkeit ist die wichtigste Basis wahrer Freundschaft. Die Brüder Grimm haben bereits 1854 in ihrem Deutschen Wörterbuch festgehalten, dass man sich auf einen wahren Freund jederzeit voll und ganz verlassen kann, wohingegen auf einen falschen, verräterischen Freund kein Verlass ist.
Die Bezeichnung „falsche Freunde für ein lexikalisches Phänomen stammt ursprünglich aus der Übersetzungswissenschaft und bezieht sich auf Wörter aus verschiedenen Sprachen, die bei gleicher oder ähnlicher Lautform oder Schreibweise vollständig oder teilweise unterschiedliche Bedeutungen haben. Mittlerweise sind falsche, aber auch wahre Freunde (Wörter, die sowohl eine ähnliche Form als auch ähnliche Bedeutungen aufweisen) zu einem festen Bestandteil im Fremdsprachenunterricht geworden.
So verweisen die meisten Lehrwerke für den Englisch- und Französischunterricht in ihren Vokabelübersichten auf ähnliche Wörter aus anderen, verwandten Sprachen, wie etwa Latein, Italienisch etc., um Lernsynergien aufzuzeigen und den Schülerinnen und Schüler den Sprachvergleich als Lernstrategie nahezubringen. Was sich im Fremdsprachenunterricht seit Jahrzehnten als wirkungsvoll erwiesen hat, kann genauso gut auch im Deutschunterricht genutzt werden. Schülerinnen und Schüler können ihre lebensweltliche Zwei- und Mehrsprachigkeit einbringen und durch Sprachvergleiche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Sprachen sichtbar machen.
Warum Sprachvergleich im Deutschunterricht?
Sprachvergleich als Methode eines funktionalen, integrativen und schülerorientierten Deutschunterrichts ist in den Bildungsstandards (2004) fest verankert. Vergleicht man verschiedene Sprachen miteinander, so macht das nicht nur Spaß, sondern trägt zur Entwicklung der Fähigkeit bei, über Sprache zu reflektieren und sie bewusst zu nutzen. Schülerinnen und Schüler erkennen dadurch, dass Bedeutungen von Wörtern in der Regel willkürlich sind und keinen natürlichen Zusammenhang mit der jeweiligen Wortform haben.
So sagt man in Russland /rot/ zum „Mund und nicht zur Farbe „Rot und /dom/ bedeutet „Haus und nicht „Kirche, auch wenn eine Kirche im weitesten Sinne auch als ein Haus bezeichnet werden kann.
Gleichzeitig bieten verschiedene Sprachen auch viele Gemeinsamkeiten, deren Entdeckung nicht nur der Entwicklung der Kompetenz des Sprachenvergleichens dient, sondern auch dem Erwerb von Strategiewissen. So lernen Schülerinnen und Schüler zwischensprachlichen Transfer als Sprachlern-, Sprachverstehens- und Sprachproduktionsstrategie kennen und vernetzen auf diese Weise die verschiedenen Sprachsysteme in ihren mentalen „Lexika.
Ein Beispiel für die Umsetzung im Unterricht
Eine Suche nach wahren Freunden
Für eine sprachkontrastive Betrachtung von Wörtern benötigt man sprachliches Material. Am authentischsten sind solche Vergleiche dann, wenn sie zumindest teilweise von den Schülerinnen und Schülern selbst kommen, sei es durch Rückgriff auf ihre Sprachkompetenzen in den Herkunftssprachen, sei es durch den Fremdsprachenunterricht. Würde man sich jedoch ausschließlich auf spontane Äußerungen von Schülerinnen und Schülern verlassen, würde Sprachkontrastierung zu einer eher seltenen und kaum planbaren Angelegenheit werden. Will man sie regelmäßig in den Unterricht einbauen, so bedarf es der Planung und Vorbereitung durch die Lehrerin oder den Lehrer.
Zunächst macht es Sinn, sich die Wortschätze anzuschauen, über die die Kinder bereits in der jeweiligen Fremdsprache verfügen, und sich über den Sprachstand der mehrsprachigen Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Herkunftssprachen zu informieren, etwa...

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