4. – 4. Schuljahr

Beata Hülbusch

Herkunftssprachen im Unterricht

Kooperation mit dem Herkunftssprachenunterricht

Die Klassengemeinschaft ist ein Ort der Begegnung, nicht nur vieler Kulturen, sondern auch vieler Sprachen. Wir wissen zwar, wie wichtig die Förderung der Herkunftssprachen ist, aber oft fehlen Ideen, wie man diese Förderung konkret umsetzen kann. Hier gibt es Abhilfe: ein Konzept, gepaart mit Mut und Offenheit.

Im Unterrichtsalltag sind häufig nur die sprachlichen Defizite der Kinder im Deutschen im Fokus der Aufmerksamkeit. Wie gut die Kinder sich in anderen Sprachen bewegen und wie stolz, aber manchmal auch beschämt sie sind, diese Sprachen zu sprechen, gerät oftmals gar nicht in den Blick. Eine kleine Umfrage dazu, welche Sprachen die Kinder sprechen und welche Sprachen ihre Eltern was nicht immer dasselbe ist , kann ein erster Schritt hin zu mehr Aufmerksamtkeit für die Herkunftssprachen der Kinder sein und in eine interessante Sprachkarte der Klasse oder Schule eingehen.
Ob die Eltern oder Großeltern selbst unterschiedliche Sprachen sprechen und die Kinder drei-, oder sogar viersprachig aufwachsen, ist eine für die Lehrerin wichtige Information, etwa im Hinblick auf die Einschätzung von Besonderheiten in der Grammatik oder Satzstellung der Kinder. Die mehrsprachigen Kinder in der Klasse können den Unterricht auf vielfältige Weise bereichern und das Interesse der monolingualen Mitschülerinnen und Mitschüler an anderen Sprachen und Kulturen wecken.
Der größte Vorbehalt dagegen, den Herkunftssprachen im Unterricht Raum zu geben, ist oft die Zeit: „Wie kann ich das auch noch machen? Ich habe schon genug mit anderen Sachen zu tun …“ Wenn man allerdings die Spracherziehung und die Sprachförderung als durchgängigen Prozess in allen Fächern betrachtet, braucht man keine zusätzlichen Stunden, sondern nur ein Konzept, ein bisschen Mut und Offenheit.
Herkunftssprachen- unterricht
Vielen Lehrerinnen und Lehrern ist nicht bewusst, dass es in etlichen Bundesländern an den Grundschulen Herkunftssprachenunterricht als zusätzliches Bildungsangebot gibt und die Kinder ihn oft in Anspruch nehmen. Weil aber dieser Unterricht oft am Nachmittag an einem zentralen Ort stattfindet, wird das Angebot häufig nicht wahrgenommen. Wenn er dagegen am Vormittag stattfindet, gibt es manchmal Planungsprobleme, die eine Kooperation mit dem Herkunftssprachenunterricht erschweren.
Sicherlich besuchen nicht alle Kinder mit Migrationshintergrund den Herkunftssprachenunterricht, aber es gibt immer einige, die das Angebot nutzen. Es lohnt sich nachzufragen oder eine Umfrage zu starten: Wann findet der Unterricht statt? In welcher Sprache? Wie heißt die Lehrerin oder der Lehrer? Was ist gerade Thema? Lassen Sie sich die Hefte der Kinder zeigen. So verschaffen Sie sich einen Überblick über folgende Aspekte:
  • Herkunftssprachen in der Klasse
  • Herkunftsländer der Kinder oder ihrer Familien
  • Kinder, die am Herkunftssprachenunterricht teilnehmen und so ihre Sprachkompetenz gezielt erweitern
  • Namen der Kolleginnen und Kollegen, die die Sprache unterrichten
  • Ort und Zeit des Unterrichts
  • Unterrichtsthemen
Auf dieser Basis lässt sich entscheiden, wie schon vorhandene sprachliche Ressourcen in der Klasse mit dem eigenen Unterricht verknüpft werden könnten und welche Art der Kooperation bzw. welche Unterstützung vonseiten des Herkunftssprachenunterrichts möglich wäre. Eine der vielen Möglichkeiten verschiedene sprachliche und kulturelle Aspekte der interkulturellen Bildung in den eigenen Unterricht einzubauen, wird hier kurz beschrieben. Es ist jedoch nur ein Beispiel, das ausbau- und veränderungsfähig ist und als eine Ideenvorlage zu verstehen ist.
Nasreddin Hodscha in unserer Schule
In dem Projekt geht es um Nasreddin Hodscha, einen beliebten Helden der türkischen Volksliteratur des 13. und 14. Jahrhunderts (Abb. ). Die Geschichten über den Helden sind weit über die Türkei hinaus in Teilen Europas ebenso wie im Mittleren Osten bis heute...

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