1. – 6. Schuljahr

Katrin Hesse und Birgit Murke

Renaissance des Lesens

Umfassende Leseförderung an Grundschulen

Die Literaturinstitution „LiteraturInitiative Berlin (LIN) hat es sich zum Ziel gesetzt, Schülerinnen und Schüler für das Lesen zu begeistern. Den Literaturvermittlerinnen und -vermittlern ist es ein besonderes Anliegen, auch die Kinder zu erreichen, die von sich aus nicht zum Buch greifen. In Kooperation mit Verlagen, Schulen, Kultureinrichtungen und Medien entstehen spannende und nachhaltige Projekte.

Wie schafft man es, Kinder im Alter zwischen fünf und 12 Jahren für Bücher zu begeistern? Die außerschulische Zeit der meisten Schülerinnen und Schüler ist gefüllt mit unzähligen Terminen und der Nutzung verschiedener medialer Angebote. Wie sollen sie dabei Zeit und Muße zum Lesen von Büchern finden? Wie kann man ihnen vermitteln, dass sie durch geschriebene Sprache Dinge erleben können, die spannend und es wert sind, entdeckt zu werden?
Beschäftigung mit Literatur im Nachmittagsbereich
Nachmittags in einer Grundschule in Berlin: Hinter einer Tür drängen sich Mädchen und Jungen in altershomogenen Gruppen, umgeben von aktuellen Kinder- und Jugendbüchern aber auch Klassikern vergangener Tage. Ihr Gespräch dreht sich um die vielen Bücher sowie Autorinnen und Autoren, die dieses Jahr eigentlich auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden sollten. Für die dort geplanten Interviews mit nationalen und internationalen Autorinnen und Autoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der sich präsentierenden Verlage haben die Kinder über mehrere Monate Neuerscheinungen gelesen und sich ausführlich mit den Verlagsprogrammen und Profilen auseinandergesetzt. In der Literaturgruppe dreht sich nun das Gespräch um die Lektüre eines Buches: um den Schreibstil einer Autorin bzw. eines Autors, atmosphärisch besonders gelungene Stellen und die Frage, ob man sich mit dem Inhalt und den Charakteren des Buches gut identifizieren kann. Reflektiert und fundiert äußern sich die Kinder zum Aufbau, zur Stimmigkeit der Charaktere und erörtern, ob es sich bei dem Text um ein literarisches Buch handelt. Immer wieder untermauern sie ihre Einschätzungen mit Textstellen: Eine heftige Diskussion ist entfacht. Ohne Zweifel, hier sitzen literaturbegeisterte Kinder.
In loser Reihenfolge werden Autorinnen und Autoren und Illustratorinnen und Illustratoren in die Gruppen eingeladen, um mit den Kindern in den direkten Dialog zu treten. Dieser Austausch zeigt den Schülerinnen und Schülern auf anschauliche und sinnliche Weise, wie ein Buch und ein Bild entstehen und in welche Beziehung sie zueinander gesetzt werden können. Die Schülerinnen und Schüler werden dadurch animiert, eigene Geschichten zu schreiben und diese mit selbst gemalten Bildern zu illustrieren.
Berührungsängste mit dem Medium „Buch abbauen
Wie aber können wir nun Kinder erreichen, die nicht eigeninitiativ in eine solche Literaturgruppe kommen? Über Themen, die sie interessieren und in ihrem Alltag abholen! Dafür eignen sich zum Beispiel Heldengeschichten besonders gut. Heldenfiguren aus der Antike bis zu den aktuellen Superheldinnen und -helden (s. Material Literaturempfehlung Super Matze in dieser Ausgabe). In themenbezogenen Workshops entdecken die Schülerinnen und Schüler, welche unterschiedlichen Heldenfiguren es gibt und welche Eigenschaften und Fähigkeiten sie besitzen. Was macht eine Heldin bzw. einen Helden aus? Was ist eine Antiheldin und was ist ein Antiheld? Muss eine Heldin oder ein Held wirklich immer Superkräfte haben? Im Anschluss entsteht ein eigenes Heldenbuch aus vorbereiteten Buchseiten mit einem Steckbrief, einem Tagebucheintrag und einer Zeichnung der von den Schülerinnen und Schülern ausgedachten Heldenfigur. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler können überdies ein kleines Drehbuch für 12 Szenen eines Kurzfilmes schreiben, wie ein ganz normaler Tag im Leben ihrer Heldin oder ihres Helden aussieht, und anschließend mit ihrer Handy-Kamera...

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