1. – 4. Schuljahr

Caroline Wittig

Mit Geschichten spielen

Comics in Panellesungen zum Leben erwecken

In Panellesungen erscheinen Bilder eines Comics (Panels) nacheinander auf einer weißen Wand. Parallel zu dieser sichtbaren Ebene erschaffen die Kinder eine Tonspur: Sie lesen den Text in verteilten Rollen und vertonen das Bild mit Geräuschen. Mit Geräuschen, die Stimmungen widerspiegeln und mit Geräuschen, die als solche in Bild und/oder Text zu sehen sind. Auf diese Weise können Kinder Literatur erfahren, Geschichten beleben und zugleich für andere erlebbar machen.

Eine jahrgangsgemischte Klasse vertont den Kindercomic „Lehmriese lebt! (s. Kasten1) als Panellesung (Wittig 2019).
kasten 1 :
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Zum Buch: Anke Kuhl: Lehmriese lebt!
Der Comic erzählt eine humorvolle Variante der Prager Golemlegende: Die beiden Freunde Ulla und Olli erschaffen im Spiel versehentlich einen Golem, d.h. einen Lehmriesen. Frisch zum Leben erwacht, marschiert dieser schnurstracks in die Stadt hinein. Dort richtet er allerlei Chaos an und zieht nicht nur die Aufmerksamkeit seiner kindlichen Schöpfer auf sich, sondern die des gesamten Städtchens. Nicht alle meinen es gut mit ihm und schließlich wird er von der Polizei verfolgt. Bevor die Geschichte in einer Katastrophe endet, kommt den Kindern die rettende Idee: Sie geben ihrem Golem seine wahre Aufgabe, nämlich, mit ihnen zu spielen. Das Spiel entpuppt sich damit als Ursprung und Sinn des Golem-Lebens.
In ihrem Tun werden spielerische und lebendige Zugänge zu Literatur wirksam, die literarisches Leben kennzeichnen. „Lehmriese lebt! ist dafür besonders geeignet, macht die Geschichte doch Leben und Spielen selbst zum Thema. Für spielerische Aktivitäten braucht es Spielzeug. So benötigen auch Panellesungen ein bestimmtes Zubehör: Geschichte, Stimme und Geräusch. Bevor es ans Spielen geht, werden die Kinder mit dem Spielzeug vertraut.
Einen Comic kennenlernen
Die Kinder begegnen dem Geschichtenanfang im Bilderbuchkino und lesen den Comic anschließend gemeinsam mit einem anderen Kind (M1 ). Diese Formate verlangsamen den Leseprozess, regen zum genauen Hinschauen an, zum Sprechen und zum Spielen (Hoffmann 2019): Mit der Stimme, etwa bei der Um-setzung eines Geräuschwortes, und mit dem Körper, z.B. bei der spontanen Nachahmung einer Geste. Impulse zur Wahrnehmung von Klang im Comic begleiten das Bilderbuchkino und die gemeinsame Lektüre und bereiten auf die Panellesung vor.
Figuren eine Stimme geben
Fast alle Comictexte erscheinen als direkte Rede in Sprechblasen. Sprachlich ähneln sie dem mündlichen Ausdruck und vermitteln durch dialektale Formulierungen lebendige Vorstellungen von den Figuren. Anhand von charakteristischen Figurensprüchen (M2 ) erkunden die Kinder im Projekt Sprechrollen und Wirkungen von Sprechweisen. Durch die Verbindung von Stimme und Körper können sie über die Bildebene Figurenstimmen (er-)finden, was insbesondere für den stummen Lehmriesen wichtig ist. Im anschließenden Raumlauf ahmen sie Figuren nach (M3 ).
Nach dem Klang suchen
Die Bilder von Kindercomics regen zum Hörbarmachen an. Natürliche Geräusche (z.B. Flussrauschen) sind auffälliger als Atmosphärisches. Um die Suche nach solchen Klängen anzuregen, vertonen die Kinder zunächst Motive der Geschichte: Wie klingt „Lebendig-Werden? Zur Vertonung nutzen die Kinder einen Geräuschekoffer (s. Abb. ): Hier sind Alltagsgegenstände gesammelt, die zu Instrumenten werden können (M4 ). Dabei geht es nicht darum, Spielweisen vorzugeben, sondern zum Experimentieren und genauem Hören einzuladen (Nübel 2020). So kann z.B. das Knistern mit Folie zu Feuer werden. Weitere Anregungen finden Sie im Geräusche-Alphabet des Projekts „Ohrenspitzer (https://www.ohrenspitzer.de/methoden/geraeusche-alphabet/). Haben die Kinder ihr Spielzeug beisammen, geht es unter Beachtung einiger Spielregeln ans Los-Spielen.
Spielregeln
Jeweils drei bis vier Kinder inszenieren gemeinsam ein Kapitel. Der Arbeitsauftrag...

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