1. – 6. Schuljahr

Carola Werning

„Blind lesen funktioniert hervorragend

Digitale Tools für inklusives Lesen

Im Deutschunterricht können Erstlesebücher als Türöffner und Brücke (Knott 2017, S.13) zum Lesenlernen dienen, indem sie durch ihre spezielle Beschaffenheit auf die Fähigkeiten von Kindern beim Lesenlernen Rücksicht nehmen. Neben der Ausbildung von Lesekompetenz sollen im Umgang mit Literatur auch ästhetische und literarische Kompetenzen gefördert sowie der Genuss an Literatur vermittelt werden. Geht es um flüssiges und verstehendes Lesen, ist dieses auf schriftliche Texte bezogen. Literarische Erfahrungen können aber mit vielfältigen Medien angebahnt werden. Das bedeutet, auch wenn Kinder noch nicht lesen können oder als Heranwachsende mit Behinderungserfahrung nicht flüssig und verstehend lesen können, sind sie dennoch selbstverständlich in der Lage Literatur zu rezipieren (Demi/Anders 2020).
Das Lesen von Texten ist in diesem Sinne nicht auf das „Erlesen/Selbstlesen beschränkt, es kann mehrsinnlich über die Rezeption von Ton-, Bild- und Hörmedien geschehen und somit auch eine Möglichkeit für diejenigen darstellen, die (noch) keinen Zugang zu schriftsprachlichen Medien haben (ebd.).
In diesem Beitrag werden digitale Tools vorgestellt, die einen barrierefreien Zugang zu altersgerechten Texten in vielfältiger Form ermöglichen können. Literatur wird auf diese Weise für alle zugänglich. Digitale Tools können zudem motivierend wirken. Die hier vorgestellten Tools unterstützen auch Kinder mit Leseschwierigkeiten, z.B. aufgrund von Legasthenie oder einer Lernbehinderung. Sie unterstützen aber auch Kinder mit Seheinschränkungen oder solche, die aufgrund einer motorischen Behinderung nur schwer oder gar nicht „klassische Bücher handhaben können.
iPad-Bedienungshilfen
Viele Kinderbücher gibt es mittlerweile in elektronischer Form, als E-Book. Das iPad eignet sich als E-Book-Reader für inklusive Settings besonders gut, da Bedienungshilfen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung oder Leseschwierigkeiten vorinstalliert sind und keine zusätzlichen Programme benötigt werden. Sie können direkt im Unterricht individualisierend eingesetzt werden. Die Bedienungshilfen lassen sich ganz einfach über die Einstellungen aktivieren. Viele Apps, die Menschen mit Behinderung beim Zugang zum Lesen helfen können, werden von kleinen Entwicklern zunächst oder vorrangig für das iOS-System entwickelt, wenngleich Android-basierte Tablets ebenso weit verbreitet sind. Besonders wichtig für das barrierefreie Lesen sind die Vorlesefunktion (z.B. bei Le-gasthenie, Lernschwierigkeiten, Seheinschränkungen), die Zoomfunktion eine virtuelle Lupe, die einen Bildschirmausschnitt oder den gesamten Bildschirm vergrößert und die Schaltersteuerung. Diese hilft körperbehinderten Kindern, die nicht die Seiten eines Buches umblättern können. Über Bluetooth kann ein sogenannter Schalter an das iPad angeschlossen werden und mit Druck auf eine oder mehrere Tasten das E-Buch digital umgeblättert werden. Auf dem YouTube-Kanal von „barrierefrei kommunizieren! (Medienkompetenzzentrum Mitte) gibt es ein Einführungsvideo zu den iOS-Bedienungshilfen, in dem gezeigt wird, wie die Bedienungshilfen aktiviert und individuell angepasst werden können. Wenn im Unterricht keine iPads zur Verfügung stehen, können Tablets mit zusätzlichen Programmen ausgestattet werden. Mit Apps wie Prizmo (ca. 8 Euro) kann gedruckter Text vorgelesen werden. Die Texte können zuvor abfotografiert werden und im Anschluss digital umgewandelt und durch Sprachausgabe vorgelesen werden. Neben den klassischen E-Books in Textform gibt es mittlerweile zahlreiche Kinderbuch-Apps, die mit zusätzlichen Animationen, Bildern oder Tonspuren versehen sind und die Möglichkeit zur Interaktion bieten (s. Beitrag von Ch. Müller).
Anybook Audiostift
Der Anybook Audiostift erinnert optisch an Tiptoi- bzw. Ting-Stifte. Beliebige Materialien können damit durch eigene Sprachaufnahmen...

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