3. – 3. Schuljahr

Jule Ostrop

„Pellegrine ist die tollste Glitzerkatze der Welt!

Ein Literaturprojekt mit Hörmedium

Die Kinder hören gemeinsam die Geschichte von Pellegrine und Odoretta. Höraufträge und Frageimpulse regen zu einer ko-konstruktiven Deutung der Geschichte an und legen die Basis für eine eigene Fassung von „Glitzerkatze und Stinkmaus.

Eine Glitzerkatze muss glitzern, sonst ist sie nichts wert. Pellegrine aber ist eine Glitzerkatze, die nicht glitzern kann. Deswegen wird sie von ihrem Besitzer, Herrn Fischer, hinausgeworfen und landet allein, bei Regenwetter und Kälte, auf der Straße. Dieses Trauma „Ich kann das nicht, ich bin hässlich, und deswegen bin ich rausgeflogen“– schleppt sie ab sofort mit sich herum. Aber: Sie trifft Odoretta, die Stinkmaus. Und mit einer echten Freundin kann die Welt dann plötzlich ganz anders aussehen. Völlig anders
„Denn wenn Odoretta wach gewesen wäre, hätte sie sehen können, dass Pellegrine neben ihr, nur ganz, ganz kurz glitzerte wie ein Weihnachtsbaum. Pellegrine hat Odoretta ein Geschenk gemacht. Echte Freunde machen so was. Und Odoretta hat sich sehr darüber gefreut, so sehr, dass sie etwas zurückschenkt. Und nun hat Pellegrine im Schlaf geglitzert? Das kann sie doch gar nicht! Wie kann das sein?
Im literarischen Gespräch Bedeutungen aushandeln
Die Aussagen der Kinder im Gespräch über die gehörte Episode spiegeln den Prozess des Verstehens, des gemeinsamen Aushandelns von Bedeutungen (Ko-Konstruktion), der Unabschließbarkeit der Interpretation wider die Kinder üben sich in ersten Formen eines literarischen Gesprächs (siehe Kasten
Mutmaßungen übers Glitzern
Mutmaßungen übers Glitzern
Tolunay: Ich hab zwei Möglichkeiten: Entweder sie ist größer geworden und fängt langsam an zu glitzern, oder die Spiegel hat sie irgendwo so hingepackt, dass die glitzern.
Tolga: Oder sie ist so fröhlich geworden, dass sie angefangen hat, ein bisschen, ganz kurz zu glitzern.
Semi: Oder es könnte sein, dass sie immer nachts nur glitzert.
Emily: Oder immer, wenn sie was Schönes träumt, dann kann sie glitzern!
Diego:Oder wenn sie fröhlich ist.
Tugra: Oder wenn sie mutig ist.
). Hat sie nun wirklich geglitzert? Und was kann die Erklärung dafür sein? Es gibt keine eindeutige Antwort, denn es handelt sich um eine Leerstelle im literarischen Text.
Aber alle Antworten der Kinder beziehen sich auf einen Aspekt des Gehörten: Pellegrine hat von Odoretta eine Spiegelscherbe geschenkt bekommen, damit sie etwas zum Glitzern hat. Glitzerkatzen glitzern nicht vom Moment ihrer Geburt an, sondern das Glitzern beginnt erst einige Monate später. Vielleicht bei Pellegrine noch später als normalerweise? Die Vermutungen der Kinder lassen ein vertieftes Verständnis für das Erleben literarischer Figuren erkennen: für Pellegrines Lebenssituation und ihre Gefühle nach dem, was ihr passiert ist, und für die Bedeutung, die Odorettas Freundschaft und Zuwendung für sie hat.
Das Hörbuch und der Klassenkontext
Der starke Ausdruck der Erzählerstimme, die Steinhöfels Geschichte auszeichnet, wird in der Hörfassung auf besondere Weise spürbar. Es gibt keine Hintergrundgeräusche und keine Musik. Die Art der Präsentation kommt dem mündlichen, freien Erzählen sehr nahe. Der Sprecher präsentiert die Geschichte mit großer Wärme, im Ton eines mitfühlenden Erwachsenen, der solche misslichen Gegebenheiten und die damit verbundenen Probleme und Gefühlslagen kennt und versteht, aber auch weiß, dass man so etwas nicht einfach aus der Welt schaffen kann. Stattdessen muss man sich eben damit auseinander setzen ob nun als Katze, Maus oder Menschenkind.
Das beschriebene literarische Gespräch gehört zu einer Unterrichtseinheit in Klasse 3 mit dem von Andreas Steinhöfel selbst gelesenen Hörbuch „Glitzerkatze und Stinkmaus. Die Kinder kommen zu 80 Prozent aus mehrsprachigen Familien und haben Deutsch als Zweitsprache gelernt. Das Umfeld ist überwiegend bildungsfern. Diesen Gegebenheiten kommt die gewählte Lektüre...

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