1. – 4. Schuljahr

Gerold Scholz

Das Computerquiz Antolin

Ein kritischer Blick auf die bei Antolin zu bearbeitenden Aufgaben lässt die von der Plattform ausgegebenen ambitionierten Ziele der Leseförderung zweifelhaft erscheinen.

Ein Kinderbuch im Test
„Der Wald der Abenteuer von Jürgen Banscherus ist nicht wirklich sein bestes Kinderbuch. Dennoch enthält es eine Reihe von spannenden Situationen und Fragen als Ausgangspunkt für Diskussionen mit und unter Kindern, die einen Anlass für Gespräche und zum Nachdenken geben können, etwa zu den Themen Mut, Freundschaft, Natur oder auch Klugheit und Selbstbeherrschung.
Die Handlung ist etwas vielfältig. Eine Klasse macht eine Klassenreise, deren Höhepunkt eine Nachtwanderung ist. Zwei Schüler verschwinden, einer davon ist Hannes, die andere Greta. Sie hat sich über die anderen Mädchen geärgert und ein wenig gebummelt. Hannes und Greta, die nun allein im Wald sind, treffen sich zufällig. Sie warten ein Gewitter ab und versuchen, die Klasse zu finden. Dabei bemerken sie zwei Lieferwagen. Schwarz gekleidete Männer laden Kisten um. Als die Kinder entdeckt werden, gelingt es den beiden nur mit Mühe, den Männern zu entkommen. Die beiden schlagen sich durstig, hungrig, frierend und müde allein durch, hören schließlich die Trillerpfeife ihres Lehrers und kommen am Ende doch halbwegs gesund wieder im Schullandheim an. Leider erfährt man nichts über die merkwürdigen Männer, weil die Polizei mit ihren Ermittlungen noch nicht weitergekommen ist.
Das Quiz
Zu dem Buch gibt es ein Quiz, und zwar bei Antolin. Über Antolin schreibt Wikipedia: „Ziel des Programms ist es, die Anziehungskraft des Computers auf Kinder zu nutzen, um diese zum Lesen zu animieren. Durch die Beantwortung von Quizfragen zu gelesenen Büchern können Schüler via Internet Punkte sammeln. Die Lehrer verfolgen mittels statistischer Auswertungen die Leseaktivität und das Leseverständnis ihrer Schüler. Antolin funktioniert nach dem Prinzip der Lernzielkontrolle. (http://de.wikipedia.org/wiki/Antolin)
Ich bezweifele nicht, dass Schüler früher ab dem ersten Schuljahr, heute wahrscheinlich ab dem Kindergarten gelernt haben, sich miteinander im Wettbewerb zu vergleichen: Wer kann schneller laufen, länger wachbleiben, weiter spucken, schneller lesen? Ich bezweifele allerdings, dass dies etwas mit Leseförderung zu tun hat und zur Entwicklung einer eigenen Leseidentität führt, wie auf der Startseite von Antolin behauptet wird (https://www.antolin.de/all/howto.jsp).
Um das zu prüfen, habe ich das Buch „Der Wald der Abenteuer gelesen und die auf Antolin vorhandenen 15 Quizfragen beantwortet. Ich zitiere drei:
  • Wo liegt das Schullandheim, in das die Klasse fahren wird?
  • Wie viele Stunden haben Hannes und Greta nach ihrem anstrengenden Abenteuer geschlafen?
  • Ist Gretas Opa ein kluger Mann? (Nachdenkfrage)
Es gab 15 solcher Fragen, und für jede richtige Antwort bekam ich drei Punkte. Für eine falsche Antwort wurden mir drei Punkte wieder abgezogen. Für eine Frage gibt es und das ist fair keinen Punkt. Für die Frage nämlich, „Wie hat dir ‚Der Wald der Abenteuer gefallen?
Die Antworten können reichen von „nicht so gut bis „ausgezeichnet. Symbolisiert wird dies mit einem Stern (nicht so gut) bis fünf Sternen (ausgezeichnet). Es kann kein Zufall sein, sondern äußerst raffinierte Didaktik, diese Sterneskala dem Muster der Internetbewertungen anzugleichen. So sieht die Produktbewertung bei Amazon aus, und die wiederum ähnelt der Hotelkategorisierung von einem Stern bis zum Fünf-Sterne-Luxushotel.
Die richtigen Antworten: Die Klasse fährt nach Ulmental, Greta schläft 28 Stunden und der Opa von Greta ist ein kluger Mann, weil er seiner Enkelin in einem Brief geraten hatte, auf einen hohen Baum oder einen Hochsitz zu klettern, falls sie sich verläuft. Man fragt sich, welchen Sinn diese Fragen machen. Wer sie richtig beantworten kann und das gilt auch für die sogenannten Nachdenkfragen ,hat richtig gelesen. Mehr nicht....

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