1. – 4. Schuljahr

Claudia Rathmann

Schmökern und schmausen

Ein Ort der literarischen Geselligkeit

Freitagmorgen in der 3a. Alle Kinder haben es sich an ihren Plätzen gemütlich gemacht. Auf den Tischen gibt es Kekse und Getränke und dann wird vorgelesen: Das Literarische Café ist eröffnet!

Siebenmal treffen wir uns zwischen Schuljahresbeginn und Herbstferien in dieser gemütlichen Runde, und jedes Mal lesen wir ein anderes Bilderbuch von der Nominierungsliste für den Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis, schauen die Bilder an und tauschen uns über den Inhalt und das Besondere der Bücher aus. Dies alles mit dem Ziel, am Ende unseren persönlichen Favoriten zu wählen, ganz so, wie es die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises schon seit über 60 Jahren macht.
Immer im Frühjahr stellt der Arbeitskreis für Kinder- und Jugendliteratur eine Liste mit Büchern zusammen, die aufgrund ihrer hohen Qualität aus der Fülle der Neuerscheinungen des vorangegangenen Jahres herausragen (s. Link zur Homepage des AKJ). Auf diese Weise sind zum Beispiel schon inzwischen zu Kinderbuchklassikern avancierte Bücher wie Ottfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz oder Michael Endes „Momo ausgezeichnet worden. Aber auch unbekanntere Titel wie etwa „Deesje macht das schon von Joke van Leeuwen oder das Bilderbuch „Ein Apfelbaum im Bauch kann man auf den Nominierungslisten finden.
Nominierungen zu vielen Genres
Die vorgeschlagenen Titel sind in vier Sparten sortiert: Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch, Sachbuch. Seit zehn Jahren gibt es zudem eine Jugendjury, die einen eigenen Preisträger kürt. Mit dieser besonderen Auszeichnung will der Arbeitskreis für Kinder- und Jugendliteratur „die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur fördern, das öffentliche Interesse an ihr wach halten und zur Diskussion herausfordern. (Homepage AKJ) Zugleich ist es das ausgewiesene Ziel des seit 1956 jährlich verliehenen Preises, „Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit zu stärken und Orientierungshilfe bei einem schier unüberschaubaren Buchmarkt zu bieten. (Homepage AKJ) Damit dies gelingen kann, müssen die potenziellen Leser aber zunächst einmal (auf) die nominierten Bücher treffen. Und genau darum geht es im Literarischen Café!
Hier haben die Kinder in entspannter Atmosphäre Zeit und Gelegenheit, sich einen Eindruck zu verschaffen davon, was ihnen jenseits von Pippi Langstrumpf, Jim Knopf und des Regenbogenfischs an Literatur geboten wird: Welche Autoren schreiben heute eigentlich für Kinder? Um welche (vielleicht für mich relevanten) Themen geht es in ihren Büchern? Welche (von mir bevorzugten) Genres werden bedient? Wie wird in den Texten erzählt? Zugleich geht es darum, sich beim Blättern, Schmökern und Zuhören auf Neues, vielleicht Ungewohntes einzulassen und sich im anschließenden Gespräch mit anderen über die eigenen Leseerfahrungen auszutauschen.
Guck mal hier!
In Bilderbüchern wird die Geschichte stets auf zwei Ebenen erzählt: mit Worten und mit Bildern. Dabei kann das Verhältnis von Text und Bild sehr unterschiedlich sein. Manchmal illustrieren die Zeichnungen das, was in Sätzen erzählt wird. Einzelne Figuren, Gegenstände oder Szenen aus dem Text werden ins Bild gesetzt. Nicht selten gehen die bildlichen Darstellungen aber auch über das Geschriebene hinaus und erzählen die Geschichte auf ihre ganz eigene Weise. Dabei gibt es für die Betrachtenden meist viel zu entdecken, wenn sie gelernt haben, Bilder mit Muße und Neugier zu betrachten, so zum Beispiel in dem Buch „Bus fahren von Marianne Dubuc, das 2017 auf der Auswahlliste stand (s. Kasten ).
Das erzählte Ereignis ist recht unspektakulär: eine Busfahrt zur Oma. Das ist fast schon ein bisschen langweilig für eine dritte Klasse. Die Bilder aber sind es nicht. Sie bieten viele Details und Möglichkeiten für Entdeckungen. So kann man obwohl das Geschehen sich ja eigentlich im Bus abspielt auf allen Seiten durch die gezeichneten Fenster auch „nach draußen schauen und...

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