1. – 6. Schuljahr

Anne Kettschau

Im Team arbeiten für eine gelingende Leseförderung

Welche Grundschullehrerin hat sich wohl noch nicht gefragt, wie sie den vielfältigen und tendenziell immer weiter steigenden Anforderungen an die Lernbegleitung „ihrer Kinder gerecht werden kann? Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen aufgrund ihrer unterschiedlichen Entwicklungs- und Förderverläufe vor Schuleintritt sind uns schon seit langer Zeit bekannt. Angesichts von gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen werden die Klassen jedoch noch heterogener: Wir unterrichten in einer Lerngruppe Kinder mit den unterschiedlichsten sprachlichen Möglichkeiten, Kinder mit unterschiedlichsten sozialen Erfahrungen und Kompetenzen sowie Kinder mit besonderen Förderbedarfen.
Eine schleichende Anpassung an das scheinbar pragmatisch Gebotene bestimmt dann zunehmend die eigene Unterrichtsgestaltung. Im Umgang mit Heterogenität erscheint es nur logisch und ökonomisch sinnvoll, sich der bloßen Vermittlung der Kulturtechniken zuzuwenden und auf alles „Schöne zu verzichten.
Die Zeit zum Vorlesen von klassischen Kinderhelden-Geschichten wie „Pippi Langstrumpf oder „Jim Knopf oder auch von neuen Klassikern wie den Ella-, Anton- oder oder Matti- Geschichten, die Zeit zum Selberlesen richtiger Bücher, die Zeit für kreativen Umgang mit Literatur (Hörspiele, Singspiele, Stabtheater- oder Kartontheaterstücke) oder für fächerübergreifende Aktionen scheint angesichtsder Herausforderungen an die bloße Vermittlung der Grundlagen zu schwinden.
Aber welche Grundschullehrerin kennt nicht auch das große „Trotzdem oder „Jetzt-erst-Recht!, das gerade dann in uns wächst und Kräfte und Ideen entstehen lässt, wenn die äußeren Umstände uns auf das Notwendige reduzieren wollen?
Neue Perspektiven durch Teamarbeit
An dieser Stelle liegen Chancen und Aufgaben für die Schulleitung: Es gilt, Potenziale und Interessen im Kollegium zu erkennen und Kräfte zu bündeln, um die Bedingungen für die Unterrichtsarbeit so zu gestalten und zu steuern, dass das Kollegium wieder Zeiten und Räume für Begegnungen mit Literatur finden kann. Konkret bedeutet das, hilfreiche Strukturen der Zusammenarbeit im Kollegium gemeinsam zu erarbeiten und zu festigen:
Stärken und Vorlieben der Kolleginnen wahrnehmen und nutzen: Jede arbeitet schwerpunktmäßig an dem, was ihr Freude macht.
Einen festen Arbeitstag für die Teamarbeit in der Schule etablieren und Verbindlichkeit schaffen: Termine regelmäßig und verbindlich absprechen und die Termine für die Teamtreffen für ein ganzes Schuljahr festlegen. Das gemeinsame Arbeiten umfasst immer auch den Austausch über Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten für eine bücherfreundliche Atmosphäre an der Schule oder auch die konkrete Vorbereitung einer Unterrichtssequenz über ein ausgewähltes Buch zum Vor- oder Selberlesen.Transparenz ermöglichen: Am Ende eines Teamtreffens werden Inhalte und Ziele der nächsten Sitzung gemeinsam festgelegt, vorbereitende Aufgaben werden vereinbart.
Räume und Ordnungen anlegen: Nicht jede dokumentiert und archiviert das gemeinsam erstellte Material für sich, sondern in der Schule gibt es einen Ort, der sammelt, ordnet und präsentiert: ein kleiner Raum, ein Schrank, ein Regal.
Es gibt viele Möglichkeiten, Grundschulkindern den Zugang zur Literatur zu eröffnen und den Unterricht zum Ort eines bunten und vielfältigen literarischen Lebens und Lernens zu kultivieren.
Vorlesebücher zu bestimmten Zeiten im Jahr werden herausgesucht. Die Geschichten von „Oma und Frieder oder von „Herrn Rot in Not sind beispielsweise beliebte Bücher an unserer Schule.
Vom Vorlesen zum Selberlesen kann es dann gut gehen, wenn Kinder in Umfang und Schriftgröße differenzierte Lesetexte bekommen. Im Team wird die Erstellung dieser Texte auf verschiedene Schultern verteilt.
In einem Lernbegleitheft halten Kinder Erinnerungen an Vorlesebücher und Literatur-Projekte fest. Hierfür erstellt eine Kollegin für alle eine ansprechende...

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