2. – 3. Schuljahr

Susanne Helene Becker

Vor dem Lesen das Lesen üben

Die Lektüre schwieriger Texte vorbereiten

„Richtige Bücher weisen oft einen Wortschatz auf, der das Lesevermögen von Grundschulkindern noch überschreitet. Und auch nicht jedes Bild erschließt sich in Gänze gleich jedem Kind. Hier lernen Sie drei Methoden kennen, mithilfe derer sich Kinder auf die Lektüre solcher Texte vorbereiten können.

Die erste Methode setzt mit Wortschatzkarten bei der Erweiterung der Lesefertigkeit an; die zweite verknüpft literarische Erfahrungen mit Bildverstehen. Die Wortschatzkarten haben das Ziel der Lesevorentlastung, das heißt, dass die Kinder vor dem Lesen bereits mit wichtigem Vokabular der Lektüre oder den Grundlinien der Geschichten bzw. ihrem Erzählkern vertraut werden.
Wortschatzkarten
Um Leseanfänger oder schwächere Leser zu motivieren und Leser auf die Lektüre vorzubereiten, eignen sich Wortkarten mit zentralen Wörtern oder Sätzen aus dem Lesetext. Wählen Sie diese vorher aus und notieren jedes auf einer Karteikarte. Wortschatzkarten können Sie auf verschiedenen Niveaustufen erstellen was hier am Beispiel zu Jutta Bauers „Schreimutter veranschaulicht werden soll.
Nomen/Substantive bilden meist den Kern einer Geschichte ab. Außerdem sind sie oft leichter zu erlesen als konjugierte Verbformen. Die einfachste Form der Wortschatzkartensammlung enthält also die für die Geschichte relevanten Hauptwörter. So entsteht für „Schreimutter diese Auswahl für Wortkarten:
  • das Schreien die Mutter die Schreimutter
  • der Kopf
  • das Weltall
  • der Körper
  • das Meer
  • der Flügel die Flügel
  • der Dschungel
  • der Schnabel
  • der Berg die Berge in den Bergen
  • der Po
  • die Stadt
  • die Füße der Fuß
  • die Augen das Auge
  • die Wüste die Wüste Sahara
  • der Schatten
  • die Entschuldigung
Wer mehr Herausforderung verträgt, erhält Wortschatzkarten mit den wichtigsten Verben. Hier ist es sinnvoll, Grundform und Form im Text auf einer Karte zu notieren und zusätzlich Wortteile hervorzuheben (siehe die Beispiele). Daraus ergeben sich für „Schreimutter folgende Wortschatzkarten:
  • schreien geschrien
  • fliegen auseinanderfliegen auseinandergeflogen
  • fliegen flog
  • verirren verirrte
  • landen landete
  • stehenbleiben blieben stehen
  • rennen rannten
  • suchen
  • wollen wollte
  • sein sind waren
  • sein ist war
  • flattern
  • sich über etwas legen sich ein großer Schatten über sie legte
  • einsammeln eingesammelt
  • zusammennähen zusammengenäht
  • fehlen gefehlt
  • sagen sagte
Schon dicht dran an der kompletten Geschichte sind einfache Formen der zentralen Sätze, die die Kinder zunächst erlesen, ohne sich auf den Zusammenhang der Sätze untereinander konzentrieren müssen. Diese Sammlung passt zu „Schreimutter:
  • Der Kopf flog.
  • Der Körper flog.
  • Die Flügel verirrten sich.
  • Der Schnabel landete.
  • Der Po verschwand.
  • Die Füße rannten.
  • Die Augen waren im Weltall.
  • Der Schnabel war in den Bergen.
  • Die Flügel waren im Dschungel.
  • Die Füße waren angekommen.
  • Alles ist eingesammelt.
  • Alles ist zusammengenäht.
  • Die Füße hatten gefehlt.
Für den Einsatz können Sie unter verschiedenen Möglichkeiten wählen.
Mit der ganzen Klasse
Jedes Kind erhält eine Wortschatzkarte und erliest sie. Dann zeigen Sie die Buchseiten über den Beamer groß an der Wand und lesen die Geschichte vor. Wenn ein Kind „sein Wort erkennt, meldet es sich und zeigt nach dem Vorlesen der seine Wortkarte.
Im Lesetandem
Einfache Variante: Jedes Team erhält einen Satz Wortschatzkarten auf seiner Niveaustufe. Die Kinder erlesen den Inhalt Karte für Karte und suchen im Text nach den Wörtern, die sie von der Karte abgelesen haben.
Komplexere Variante: Jedes Team erhält einen Satz Wortschatzkarten der dritten Niveaustufe und liest dann gemeinsam das Bilderbuch Seite für Seite.
In ein Bild hineingehen
Diese zweite Methode fördert das „Eintauchen in eine Bilderwelt. Sie eignet sich vor allem für Illustrationen, die besondere Innen- oder Außenräume abbilden. Dazu überlegen Sie sich vor der gemeinsamen Rezeption...

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