2. – 3. Schuljahr

Carolin Führer

„Lehmriese lebt!

Einen Comic lesen, ansehen und verstehen

In einem humorvollen Comic für Kinder erzählt Anke Kuhl die Geschichte vom Lehmriesen, der zum Leben erwacht, mit Bezug auf den jüdischen Golem-Mythos. Die vorgestellte Unterrichtsidee zeigt, wie Kinder ihre Fähigkeiten erweitern können, eine zum Teil komplexe Bild-Text-Erzählung zu verstehen.

Hier können alle mitlesen, denn der bildreiche (und textlose) Anfang und das Ende des Comics ermöglichen eine Lektürepartizipation aller Lernenden. Dass die Erzählung über weite Teile durch die Bilder geleistet wird, ist sicher motivierend und unterstützt das Verstehen der Geschichte, darf aber im Hinblick auf den Anspruch an die Bildwahrnehmung und deren sprachliche Umsetzung nicht unterschätzt werden. Die Herausforderungen für die Kinder wachsen in sprachlicher, erzählerischer und bildästhetischer Hinsicht mit jedem Kapitel der Erzählung, sodass sich eine arbeitsteilige und niveaudifferenzierte Lektüre anbietet.
Eine teils in Schüler-Tandems organisierte, teils lehrergeleitete gemeinsame Rezeption fordert und fördert besonders die basalen Fähigkeiten des Dekodierens und Erschließens von Bildern und Texten (sowie von deren Zusammenhängen) und zugleich das literarische Lernen auf sehr unterschiedlichen Lernniveaus.
Gemeinsam imaginieren
Die Kinder finden sich im Sitzkreis zusammen. Stellen Sie ihnen den Comic kurz vor als eine Geschichte über einen Lehmriesen, der zum Leben erwacht und sich in die Welt der Menschen begibt (s. Kasten zum Buch).
Zum Buch
Anke Kuhl: „Lehmriese lebt!
„Lehmriese lebt! ist eine humorvolle bildlich-sprachliche Variante der Erzählung über die für die jüdische Literatur und Mystik bedeutsame Figur des Golem und deren Eintritt in die Gesellschaft. Den Lehmriesen bauen zwei Kinder Olli und Ulla am Ufer eines Flusses „aus richtig schöne[m] fette[m] Lehm (S. 6). Schon in der Nacht beginnt dieser Riese sich zu bewegen, und als am folgenden Morgen die neben seinem Kopf wachsende Blume einen Regentropfen auffängt und an seiner Stirn herabperlen lässt ein Verweis auf den religiösen Hintergrund der Legende , schlägt der Golem die Augen auf und macht sich auf den Weg in die Sozialisation.
Das „lehmige Monster (S. 60) nähert sich in chronologischer Reihenfolge visuell deutlich voneinander unterschiedenen Orten vom „Stumpwald über den Friseursalon und Supermarkt bis hin zum Rathaus. An diesen Orten ist er einer zutiefst heterogenen Gesellschaft und deren Reaktionen auf ihn ausgesetzt. Keine der skurrilen Figuren zum Teil belebte Tiere (die Eis verkaufende Kuh, der Grashüpfer als Friseur), zum Teil realistische Menschen (die dicke Marktleiterin, der behäbige Polizeibeamte) stellen den Riesen in Frage. Dennoch verhalten sie sich dem Lehmriesen und seinem Tun gegenüber ganz unterschiedlich: von aggressiv-abwertend (Förster) bis empathisch-ermutigend (Friseur). Insgesamt löst das „Monster bei den Begegnungen in Wald und Stadt gehörig viel Tumult aus. Die Schlussszene „Auf dem Dach führt alle Figuren zusammen und löst textlich auf, was für ein Wesen der Riese ist (S. 74, Bild 5) und dass er nur auf die hört, die ihn erschaffen haben (S. 75, Bild 3).
Dazu können Sie ausgewählte Bildfolgen (Panels) der Eingangsszene (S.10 –18) in vergrößerter, farbiger Fotokopie in die Mitte des Kreises legen oder sie mit dem Beamer an die Wand werfen. (Auf der Verlagsseite von reprodukt ist das erste Kapitel vollständig einsehbar.) Ermutigen Sie die Kinder mit Impulsfragen, über den möglichen Verlauf der Geschichte zu spekulieren:
  • Was könnte geschehen, wenn die Kinder den lebendigen Lehmriesen treffen?
  • An welchen Orten in einer Stadt könnte er auftauchen? Hier eventuell mit weiteren Impulsen unterstützen, etwa mit der Nennung möglicher Orte: im Supermarkt, beim Friseur etc.
  • Wie könnten die Menschen reagieren, die ihn treffen?
Mit diesen Ideen im Kopf, die als Vorentlastung der Rezeption dienen, lassen die Kinder...

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