1. – 4. Schuljahr

Ohrwürmer und Hörschätze

Der Markt an Hörmedien ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Und obwohl die „Kinderhörcassette schon eine lange Tradition hat, hat sich das Angebot nochmals beträchtlich erweitert. Von der schlichten Lesung über die Inszeniertheit eines Hörspiels bis hin zu audiovisuellen Medienangeboten sind Hörmedien auf dem Markt, die auf gedruckte Bücher zurückgehen oder eigenständige Produktionen darstellen. Gar nicht so einfach, bei diesem breiten Angebot das je Richtige für Ihre Kinder zu finden. Deswegen gibt es Sie hier Empfehlungen für verheißungsvolle Hörschätze.
Lesungen
Lesungen sind die schlichteste Version, eine Geschichte zu Gehör zu bringen. Meist liest je nur ein Sprecher oder eine Sprecherin sind es verschiedene Erzählungen, kann die Besetzung auch wechseln. Lesungen kommen ohne Musik und Geräusche aus, wobei die Tracks durch eine Zwischenmelodie voneinander abgegrenzt sein können.
Eine ganz besondere Produktion in diesem Jahr ist die Lesung der Anthologie „Was ist los vor meiner Tür? Der Band versammelt 20 Geschichten von Autorinnen und Autoren aller fünf Kontinente. Zusammengetragen hat sie die Herausgeberin Stephanie Jentgens, die mit diesen Originalbeiträgen den 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises ehrt. Gesprochen werden die Texte zum Teil von Autoren (z.B. Martin Baltscheit oder Jutta Richter), zum Teil von bekannten Sprecherinnen, wie Ilka Teichmüller. Die Geschichten richten sich an Kinder unterschiedlicher Lesealter und thematisieren jede auf ihre je spezifische Weise das Andere und Fremde, das uns in der Welt begegnen kann.
Ein ähnliches Interesse hat die Erzählung „Neben mir ist noch Platz Paul Maar hat sie 1987 verfasst; in diesem Jahr wurde sie sicherlich unter dem Eindruck aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen neu aufgelegt. Maar erzählt von der Freundschaft zwischen Aischa, deren syrische Familie erleben muss, dass auf ihre Unterkunft ein Brandanschlag verübt wird. Dieses dramatische Ereignis hat Einfluss auf Aischas Verhältnis zu Steffi, deren Freundin Aischa schon lange sein möchte. Die Schauspielerin Natalia Wörner spricht den Text in einer konzentrierten Unaufgeregtheit, die perfekt zu dieser ruhigen Erzählung passt.
Schwimmuntericht! Für Gidd der blanke Horror ein worst case von einem solchen Ausmaß, dass die Angst ungeahnte Erfindungskräfte freisetzt: Ganze 70 Tricks kann Gidd in seinem Notizheft festhalten, die einen Wasserscheuen vom Ausflug ins Becken bewahren könnten. Die Lesung des Kinderromans „70 Tricks, um nicht baden zu gehen bietet Kindern eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit Ängsten und Sorgen, die der Alltag bereiten kann. Gidd erzählt seine Geschichte selbst in einem mündlich geprägten Duktus, bei dem sich die Bedeutung seiner Rede auch schon mal durch eine andere Gehirnwindung wühlen muss, bis der Leser seine Gedanken begreift. So wird die etwas panische Grundstimmung der Erzählung bestens anschaulich.
Gidds Sorge beginnt am Mittwochabend mit Angstbauchweh und steigert sich zum Donnerstagmorgen Donnerstag ist der Schwimmtag. Die Fahrt mit dem Schulbus dorthin lässt seine Verzweiflung mit jedem Meter wachsen. Auf dem Weg sucht er nach Omen wie dem Taubenmann: Wenn der auf der Fahrt zu sehen ist, dann wird Gidd dem Schwimmunterricht entrinnen oder ihn zumindest überleben. Als der Mann aber ausbleibt, muss eine Menge Kreativität entfaltet werden, um dem Sport zu entgehen. Bastian Pastewska vermag es, die große Verzweiflung des Jungen in seine Stimme zu legen und eine Jungenhaftigkeit, die vergessen lässt, dass hier ein Erwachsener liest.
Was ist los vor meiner Tür?
20 Geschichten der Besten zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises.
Hg. von Stephanie Jentgens. Mit Texten von M. Baltscheilt, K. Boie, D. Calì, V. Cuvellier u.a. Deutsch von T. Scheffel, B. Jakobeit, M. Knoll u.a. Einbandillustration von Aljoscha Blau. 4 CD, 277 Min. Sprecher: Martin...

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