1. – 4. Schuljahr

Ursula Käser-Leisibach und Claudia Zingg Stamm

Hörkompetenzen sichtbar machen

Hörverstehen beobachten, fördern und verstehen

Zuhören ist unsichtbar. Aber wie lässt sich dann feststellen, ob die Kinder das, was sie hören, auch tatsächlich verstehen? Und was sind Hörverstehenskompetenzen überhaupt? Diese Fragen werden hier anhand konkreter Beispiele und Vorschläge erläutert.

Während allen bewusst ist, dass Sprechen, Lesen und Schreiben gelernt und geübt werden müssen, gehen viele davon aus, dass Kinder zuhören können und diese Kompetenz keine besondere Förderung braucht und das, obwohl die Hörkompetenz in der Schule eine Schlüsselstellung einnimmt. Kinder müssen mehr als die Hälfte der Unterrichtszeit zuhören (Hagen 2006). Ein Großteil der Wissensvermittlung verläuft also mündlich. Es ist deshalb wichtig, dass dem Zuhören als wichtigstem (Sprach-)Lernkanal die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir möchten hier zeigen, wie verschiedene Facetten von Zuhör- und Hörverstehenskompetenzen sichtbar gemacht werden können, um sie beobachten und schließlich auch bewerten zu können.
Zuhörfreundlich unterrichten, Zuhören thematisieren
Wenn man zuhört, geschehen zwei Dinge gleichzeitig: Die Informationen, die man hört, müssen verarbeitet werden, während man weiter zuhört. Da die Schallwellen flüchtig sind, muss die Verarbeitung sehr schnell erfolgen, quasi in Echtzeit (Grotjahn 2005, S. 115ff.). Das erfordert Konzentration und ist anstrengend.
Für die Lehrerin oder den Lehrer heißt das zunächst, den Unterricht zuhörfreundlich zu gestalten. Das wichtigste Werkzeug dabei ist die Stimme. Kinder reagieren sensibel auf Stimmen. Es ist deshalb wichtig, beim Sprechen vor der Klasse Lautstärke, Rhythmus und Intonation angemessen zu variieren. So ist es etwa möglich, klar und deutlich zu artikulieren und dabei leiser zu sprechen und dennoch verstanden zu werden.
Zuhörzeiten sollten möglichst klar begrenzt und angekündigt werden. Die Kinder sollen wissen, wenn von ihnen erwartet wird, für eine gewisse Zeit aufmerksam zuzuhören. Zuhörzeiten können darüber hinaus auch akustisch angezeigt werden, etwa mit einem Gong oder einem Xylophon. Nach dem Zuhören braucht es eine Erholungszeit, also Phasen, in denen die Kinder nicht zuhören müssen. Wie beim Lesen sollte auch vor dem Zuhören das Vorwissen der Kinder aktiviert werden, zum Beispiel, indem die Lehrerin oder der Lehrer im Voraus kurz sagt, worum es in der folgenden Zuhörsequenz geht.
Weiter können die Kinder gemeinsam über das eigene Zuhören nachdenken. In welchen Situationen fällt das Zuhören schwer beziehungsweise leicht? Wer hat welche Zuhörgewohnheiten? Wer hört Radio, Hörspiele oder Hörbücher? Wie schätzen die Kinder sich selbst als Zuhörerin oder Zuhörer ein? Welche Personen aus ihrem Umfeld sind ihrer Meinung nach gute Zuhörerinnen und Zuhörer und weshalb?
Basales Hören und phonologische Bewusstheit
Die Kompetenz, Geräusche und Töne zu orten, zu identifizieren und zu interpretieren, gehört zu den basalen Hörkompetenzen. Durch einfache Spiele lässt sich dieser Bereich fördern und beobachten (Kasten + M1).
Übungen
Übungen
Hörschnappschüsse (M1)
Das Zuhören kann selber Unterrichtsgegenstand sein, damit die Kinder für das Thema sensibilisiert werden. So kann man zum Beispiel die Hausaufgabe geben, Hörschnappschüsse zu protokollieren: Verteilt über einen Tag, achten die Kinder mehrmals darauf, was sie gerade hören. Sie protokollieren die Uhrzeit, den Ort, wo sie den Hörschnappschuss gemacht haben, was sie gehört haben und wie sich das Geräusch, das Signal, die Stimme, die Musik angehört hat. Einmal sollten sie auch notieren, wenn es ganz ruhig war. Neben der Sensibilisierung für das Thema wird auch der Wortschatz gefördert, indem die Kinder treffende Verben und Adjektive finden müssen, um einen Höreindruck festzuhalten.
Geräusche orten
Alle Kinder schließen die Augen. Die Lehrerin geht leise durch den Raum und erzeugt an unterschiedlichen Orten ein...

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