3. – 4. Schuljahr

Stephanie Dietz

und glitschig gutzt der nackige Golz

Christian Morgensterns „Gruselett

Gedichte erzeugen Stimmungen und Vorstellungen im Kopf. Diese „inneren Bilder lassen sich veräußern und in eine sprachliche Form bringen. Dass dafür auch grammatikalisches Wissen nötig ist, erfahren die Kinder am Beispiel des „Gruseletts“– ohne dazu das Gedicht zu verdinglichen.

Gedichte machen zahlreiche Angebote, mit Sprache umzugehen (vgl. Tabelle 1 ). Man kann zum Beispiel Gedichte mit unterschiedlichen Betonungen und Stimmungen vorlesen, sich mit der Reimstruktur und dem Aufbau befassen oder die Gedichte um- oder weiterschreiben. Aber die Arbeit mit Gedichten eignet sich auch für einen integrativen Grammatikunterricht, zum Beispiel um Adjektive als Wortart einzuführen.
Die folgende Unterrichtsidee stellt ein Beispiel für integrative Arbeit mit dem bekannten Gedicht „Gruselett von Christian Morgenstern vor. Das ist auch bei Kindern sehr beliebt, denn die „Lust am Schaurig-Schönen gehört zur kindlichen Lebenswelt (Wildemann 2011, S. 7).
Erste Begegnung mit dem Gedicht
Für die erste Begegnung mit dem Gedicht wähle ich einen stummen Impuls. Wir sitzen im Kinositz zusammen und ich präsentiere den Kindern das Gedicht auf dem OHP-Projektor (M1 ). Das Licht habe ich bereits gedimmt, um die Stimmung im Klassenzimmer dem Gedicht anzupassen. Nun gebe ich den Schülerinnen und Schülern ausreichend Zeit, damit sie das Gruselett alleine für sich lesen können. Anschließend frage ich nach Freiwilligen, die das Gedicht für uns Vorlesen.
Jonas beginnt. Er erhält eine Taschenlampe, mit der er sich beim Lesen ins Gesicht leuchtet, wodurch er besonders gruselig aussieht. Danach versuchen wir, die Stimmung des Gedichts zu erfassen. „Es ist unheimlich, findet Liana. Laut Oliver bekommt man eine Gänsehaut beim Lesen, „weil da so gruselige Monster sind. Während die Kinder ihre Eindrücke wiedergeben, schreibe ich die Adjektive, die sie dabei nennen, auf Wortkarten. So entsteht eine erste Sammlung: unheimlich, gruselig, spannend, geheimnisvoll, komisch, verrückt, böse. Insgesamt überwiegt die Meinung, dass es sich um ein Gruselgedicht handelt: „Das erkennt man ja auch an der Überschrift! Das steckt ja irgendwie schon das Wort gruselig drin, findet Kevin.
Nur Jan ist anderer Meinung. Er musste beim Vorlesen der letzten Wörter grinsen. Deshalb frage ich ihn, was ihn daran belustigt hat, und bekomme direkt eine nachvollziehbare Erklärung: „Ein Golz, der gutzt das hört sich einfach lustig an. Der sieht bestimmt aus wie ein kleiner Troll mit einer Glatze. Nun müssen wir alle lachen. Ich frage die Kinder, wie sie sich die anderen Gestalten in dem Gedicht vorstellen, und bitte sie, mir eine der Figuren aufzuzeichnen. Dieser Vorschlag löst Begeisterung bei meinen Schülerinnen und Schülern aus, denn jeder hat Bilder von den Gestalten im Kopf. So entstehen sehr individuelle Zeichnungen, die ich am Ende der Stunde einsammle (vgl. Abb. ).
Genau hinschauen genau beschreiben
Am nächsten Tag stellen wir die Zeichnungen im Klassenraum aus. Im Rahmen eines Museumsgangs betrachten die Kinder die Bilder ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Anschließend schlage ich vor, ein kleines Rätselspiel mit den Zeichnungen zu spielen. Dafür lasse ich die Kinder wieder in den Kinositz kommen und hänge vier von mir im Vorfeld ausgewählte Bilder gut sichtbar an die Tafel. „Ich suche mir nun eine Zeichnung aus und beschreibe die Gestalt, verkünde ich. „Ihr müsst raten, welche Zeichnung ich mir ausgesucht habe!
Meine Klasse ist hochmotiviert was für ein einfaches Rätsel! Aufmerksam lauschen die Kinder meiner Beschreibung: „Die Gestalt hat einen Kopf. Sie hat Arme und Beine. Bei meiner Auswahl im Vorfeld habe ich darauf geachtet, nur Zeichnungen auszuwählen, auf die meine Beschreibung zutrifft. Das fällt auch meinen Kindern sehr schnell auf. Sie erklären mir, dass meine Beschreibung nicht gut ist, weil ich damit jedes Bild meinen...

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