2. – 2. Schuljahr

Ann Peyer und Therese Grossmann

Eine S(ch)atzkiste

Strukturiert und handlungsorientiert

Was interessant und wertvoll ist, möchten wir sammeln. Der Reiz einer solchen Sammlung oder Schatzkiste ist nicht nur, etwas zu besitzen, sondern auch, dass wir unsere Schätze immer wieder anschauen und sortieren können. Dieser Impuls wird hier für die Arbeit mit Sätzen fruchtbar gemacht.

Sätze sind den Schülerinnen und Schülern als sprachliche Einheit vertraut, denn sie setzen sich beim Lesen und beim Schreiben damit auseinander, wobei die Satzzeichen als Signale eine wichtige Rolle spielen (vgl. Artikel Hanisch/Gebauer). Das Lesen und Schreiben von Sätzen ist für Zweitklässler zum Teil noch anstrengend, umso wichtiger ist es, gelegentlich innezuhalten und über die Einheit „Satz nachzudenken. Die gelesenen und geschriebenen Sätze werden gewürdigt, die wichtigsten schreiben die Kinder auf und legen sie in eine gemeinsame Sammlung. Immer wieder beschäftigen sich die Kinder damit, indem sie die Sätze sichten, die Beispiele kommentieren und sich überlegen, wie sie sortiert werden können. Ziel ist nicht, die Sätze systematisch zu analysieren, sondern den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass und wie sie den Satz als kommunikativ und inhaltlich bedeutsame Einheit in den Blick nehmen können. Dies auch im Sinn der Bildungsstandards (S. 9).1
Bevor sprachliche Einheiten mit gezielten Verfahren untersucht, kategorisiert und mit Fachbegriffen benannt werden, müssen sie für die Kinder greifbar werden. Die vorgestellte Unterrichtsidee will den Boden für die systematische Analyse bereiten.2
Erste Begegnung mit der S(ch)atzkiste
Wenn die Schülerinnen und Schüler (idealerweise nur die halbe Klasse) ins Zimmer kommen, sehen sie an einem prominenten Platz eine bunte, schön verzierte Kiste. Natürlich sind sie neugierig, was darin sein könnte.
Sie stellen im Gesprächskreis Vermutungen an und erzählen, was sie selbst sammeln und aufbewahren. Dann gucken sie in die Kiste und entdecken darin einige beschriftete Zettel. Ist das eine Wörtersammlung? Nein, auf jedem Zettel steht ein Satz. Die Kinder erkennen die Sätze aus vorgelesenen Geschichten.
Nun ergänzen die Kinder die Sammlung, indem sie in bereitgelegten Büchern stöbern. Besonders interessant sind erste oder letzte Sätze. Manche Kinder wählen sehr gezielt ihr Lieblingsbuch als Quelle, andere blättern und wählen Sätze aus Büchern oder Geschichten, die sie noch nicht kennen Sätze, die sie neugierig machen. Die ausgewählten Sätze werden mit Buntstiften auf Papierstreifen notiert. Auf die Rückseite schreiben die Kinder ihren Namen und legen die Sätze in die Kiste.
S(ch)ätze untersuchen und ordnen
Nun enthält die Kiste bereits 10 bis 20 Sätze. Die Kinder bekommen den Auftrag, die Sätze zu sortieren. Sie machen selbst Vorschläge und bilden verschiedene Ordnungen: nach Satzschlusszeichen (Punkt, Ausrufe- oder Fragezeichen), nach dem ersten Wort, nach der Länge resp. Anzahl der Wörter im Satz (dafür ist es sinnvoll, die Wörter zu zählen und die Zahl auf die Rückseite des Streifens zu schreiben) etc.
Wenn sie dann einen eigenen Text schreiben, überlegen sich die Kinder, wie ihr erster Satz aussehen soll: besonders kurz? Besonders lang? Soll er statt mit einem Punkt mit einem Fra-ge- oder Ausrufezeichen aufhören?
Integration in den Unterricht
Ab jetzt steht die S(ch)atzkiste im Klassenzimmer. Die Lehrerin bespricht mit den Kindern, wie die gemeinsame Sammlung ergänzt wird. Verschiedene Varianten sind möglich:
  • Die Kinder sind frei, ob bzw. wann sie einen besonderen Satz in die Kiste legen möchten.
  • Nach intensiven Lese-Phasen wählt jedes Kind aus seinem Buch einen Satz für die Kiste aus. Den schreibt es auf, liest ihn in der Runde vor und erläutert, wieso es diesen Satz ausgewählt hat. Dann legen alle ihre Sätze in die Kiste (s. Foto von Nikolas S(ch)atzkiste).
  • Wenn die Kinder Texte geschrieben haben, wählen sie aus ihren eigenen Texten oder aus denen anderer einen...

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