3. – 4. Schuljahr

Johanna Duckstein

Märchenbilderkarten

Die Vielfalt der Märchenbilder entdecken

Bilder nehmen im Rahmen literar-ästhetischer Bildungsprozesse einen wichtigen Raum ein. Sie schaffen Atmosphäre, stoßen Sinnbildungsprozesse an und führen zu einem vertieften Verständnis der Narration, indem sie über die Textebene hinausgehen. Die Kartei „Tief im Wald bietet zu drei bekannten Märchen der Brüder Grimm Illustrationen an und initiiert eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Märchen.

Bildtradition der Märchen
Der Erfolg der Kinder- und Hausmärchen (KHM, Erstausgabe 1812/1815) der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, der nunmehr seit über 200 Jahren anhält, zeigt sich auch in einer langen Tradition der Illustrierung. Waren die frühen Bebilderungen zu den Märchen noch als schmückendes Beiwerk den Texten zugefügt, indem sie als ikonografische Schlüsselszenen den kindlichen Erfahrungsraum idyllisiert darstellten (vgl. Freyberger 2009, 152ff.), erfuhr die Märchenillustration über die Zeit hinweg immer wieder Innovationen durch Kunst, Gesellschaft, Politik und Medien.
Die fortschreitende Emanzipation des Bilderbuches in den letzten 30 Jahren führte dazu, dass das multimodale Medium seine Ausdrucksmöglichkeiten erweiterte und auch Märchenbilderbücher in ihrer Bearbeitung immer neue Zugänge zu dem literarischen Stoff anboten (Thiele 2010). Viele namenhafte Illustratorinnen und Illustratoren haben die Märchen in ihren Bildern interpretiert und durch deren individuellen Stil auch die Rezeption der Märchen geprägt.
Bilder sehen und verstehen
Die Kartei „Tief im Wald (Materialpaket ) zeigt eindrücklich die Vielfalt der aktuellen Märchenillustrationen. Das umfangreiche Angebot soll die Schülerinnen und Schüler dazu einladen, die ausgewählten Einzelbilder ganz genau zu betrachten und sie mit eigenen Empfindungen und Erfahrungen zu verknüpfen, um über den Märchentext hinaus Deutungsprozesse anzuregen eine Kompetenz, die unter dem Begriff visual literacy im Medienzeitalter besonders bedeutsam wird. Die Bilder bieten einen großen Fundus an verschiedenen Bildkonzepten, die durch Bilddeutungen und -vergleiche in der Klasse als Anschlusskommunikation an die Märchenrezeption erfolgen können.
Beschreibung des Materials
Neben einer Erläuterung zu Einsatzmöglichkeiten des Materials bietet der Kartensatz fünfzehn Märchenbilder, die sich verschiedenen Themenbereichen zuordnen lassen. Zu den Märchen „Schneewittchen, „Hänsel und Gretel und „Rotkäppchen (KHM 53, 15, 26) gehören je vier verschiedene Illustrationen aus aktuellen Märchensammlungen oder Bilderbüchern, die einen prägnanten Aspekt der Handlung aufgreifen. Unter dem Begriff „Märchenmix werden Spielformen aus verschiedenen Märchen gefasst, die in den Bildern verschiedene Figuren zusammenführen (s. Übersicht in der Tabelle ).
Auf der Rückseite jeder Karte befinden sich auf der linken Seite Beobachtungsaufgaben zum Bild, die mit „Was siehst du? überschrieben sind. Durch gezielte Impulsfragen sollen die Schülerinnen und Schüler zum genauen Betrachten eingeladen und auf die Besonderheiten der Bilder aufmerksam gemacht werden. Erste Deutungen des Gesehenen in Bezug auf die bekannte Geschichte können in gemeinsamen Gesprächen aufgegriffen werden.
In der Tradition des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts sind jeweils auf der rechten Seite unter der Überschrift „Und jetzt du! Aufgaben zur schöpferischen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand aufgeführt. Durch Impulse zum Erzählen, szenischen Spiel, Schreiben, Zeichnen und Basteln wird eine individuelle Reflexion mit dem literar-ästhetischen Angebot angeregt. Werden für die Bearbeitung bestimmte Materialien benötigt, sind diese als Übersicht in einem farbigen Kasten unten rechts vermerkt (s. Abb. ) .
Die Kartei im Unterricht
Um mit den Bildkarten im Unterricht arbeiten zu können, müssen die Schülerinnen und Schüler die Märchen bereits kennen. Da die Gattung in einer starken mündlichen...

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