1. – 4. Schuljahr

Maja Wiprächtiger-Geppert

Ins Gespräch kommen

Impulse für das Bilderbuchgespräch

Das gemeinsame Betrachten, Vorlesen und Besprechen von Bilderbüchern gehört zu den innigsten Momenten im Grundschulunterricht. Wenn die Kinder gespannt einer Geschichte lauschen, sich die Bilder anschauen und gemeinsam über ihre Lesarten sprechen, dann erwerben sie literarisch-ästhetische Rezeptionskompetenz und erfahren, wie interessant Bücher sind. Wie können solche Gespräche durchgeführt werden?

Ausgangspunkt eines jeden Bilderbuchgesprächs ist die Haltung der Lehrerin oder des Lehrers. Entscheidend ist, dass sie oder er für die Lesarten der Kinder offen ist und sich dafür interessiert, was die Kinder über das Bilderbuch denken. Wer nur darauf aus ist, eine bestimmte Interpretation bei den Kindern „abzuholen, wird Mühe haben, eine intensive Diskussion in Gang zu bringen. Ein solcher Gesprächsversuch wird schnell zu einem Ratespiel, bei dem die Kinder herausfinden müssen, was die Lehrerin von ihnen hören möchte.
Dennoch braucht ein gelingendes Bilderbuchgespräch eine gute Vorbereitung (s. Kasten). Offenheit für verschiedene Deutungsansätze ist nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln. Die Plausibilität jeder Lesart muss sich immer am Bilderbuch messen lassen.
Für die Vorbereitung ist es also wichtig, dass die Lehrerin oder der Lehrer sich zunächst selbst mit dem Bilderbuch auseinandersetzt. Dabei geht es um die eigene Wahrnehmung des Bilderbuches und um eine Antizipation, wie die Schülerinnen und Schüler, mit denen das Gespräch stattfinden soll, auf das Buch reagieren könnten.
Vorbereitung der Bilderbuchgespräche
Vorbereitung der Bilderbuchgespräche
Zu Hause:
  • Bilderbuch zuerst selbst anschauen und darüber nachdenken.
  • Überlegen, wie die Schülerinnen und Schüler auf das Bilderbuch reagieren könnten.
  • Verschiedene Impulse für das Gespräch vorformulieren.
  • Das Vorlesen und Bilderzeigen vorbereiten und üben.
Im Unterricht:
  • Schöne Lese- und Gesprächsatmosphäre schaffen.
  • Wenn möglich, Stuhl- oder Sitzkreis einrichten.
  • Zeitbedarf ½ bis 1 Stunde
Konkrete Tipps für Bilderbuchgespräche
Fragen zur Vorbereitung
Hans Lösener (2012, S. 118) schlägt vor, sich zur Vorbereitung Fragen zu stellen wie:
  • Wie wirkt das Bilderbuch auf mich? Welche Stellen sprechen mich besonders an?
  • Wie könnte das Bilderbuch auf meine Schülerinnen und Schüler wirken? Wie werden sie auf bestimmte Textstellen oder Bilder reagieren?
  • Was ist das Besondere am Text, an den Bildern, an deren Zusammenspiel?
  • Welche Sicht- oder Denkweise nehmen Text und Bilder ein?
  • Wo überraschen oder irritieren die Bilder oder der Text?
  • Welche Fragen wirft das Bilderbuch auf?
  • Welche Vorstellungen rufen Text und Bild bei mir bzw. bei meinen Schülerinnen und Schülern wach?
  • Welche Lesarten könnten meine Schüler entwickeln?
  • Welchen Bezug haben die Bilder und Texte zu den Lebenserfahrungen meiner Schülerinnen und Schüler?
Die Antworten auf diese Fragen können zur Formulierung von Impulsen herangezogen werden. Impulse haben in Gesprächen über Bilderbücher verschiedene Funktionen. Zu Beginn und am Ende des Gesprächs gibt es idealerweise Impulse, die allen Kindern einen Ein- bzw. Ausstieg aus dem Gespräch ermöglichen. So ist beim Heidelberger Modell des Literarischen Unterrichtsgesprächs (vgl. Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2010) zu Beginn und am Ende eine Art Blitzlichtrunde vorgesehen, in der jedes Kind reihum eine Äußerung macht.
Impulse für die Gesprächseröffnung: die Blitzlichtrunde
Impulse für solche Runden nehmen einzelne Textstellen bzw. Bilder oder die aktuellen Gedanken der Kinder in den Blick. Dabei fokussieren sie sowohl positive als auch eher irritierende Momente:
  • Für die erste Runde suchen wir uns alle eine Stelle aus dem Buch aus, die wir entweder gut finden oder die wir merkwürdig oder komisch finden.
  • Für die zweite Runde suchen wir uns ein Bild aus, das uns besonders gut gefällt oder das wir ein bisschen merkwürdig oder komisch finden.
  • Für die...

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