1. – 4. Schuljahr

Anke Märk-Bürmann

In der Bilderbuchgalerie

Bilderbücher auf den zweiten Blick kennenlernen

Häufig entscheidet der erste Blick, ob ein Bilderbuch Kinder oder die erwachsenen Vermittlerinnen und Vermittler wie Erzieher, Lehrerinnen oder Eltern anspricht oder nicht. Wenn die Illustrationen nicht beim ersten Mal gefallen und irritieren, werden die Bücher schnell weggelegt und nicht weiter wahrgenommen. Wie kann es gelingen, diese Hürde zu nehmen und zu einem zweiten Blick zu verführen?

In der Akademie für Leseförderung Niedersachsen (s. Kasten) haben wir im Rahmen von Fortbildungen für Multiplikatoren sehr gute Erfahrungen mit der Methode der „Bilderbuchgalerie gemacht. Diese Idee wurde von Gudrun Sulzenbacher und Maria Theresia Rösler entwickelt und wird in ihrem Praxisbuch zur Leseförderung „Neue Leserezepte (Sulzenbacher/Rösler 2016) ausführlich vorgestellt. Wie wird so eine Bilderbuchgalerie umgesetzt?
Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen (ALF) ist eine Einrichtung des Niedersächsischen Kultusministeriums, des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der Stiftung Lesen mit Sitz in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover. Die Akademie hat es sich zur Aufgabe gemacht, gute Ideen für die Leseförderung weiter zu verbreiten. Das erfolgt in Form von Fortbildungen und Publikationen, etwa dem jährlich erscheinenden Lesekalender.
Darüber hinaus verfügt die Website der Akademie über eine umfangreiche Sammlung
von Tipps für die Praxis für alle
Bildungsetappen:
Die Bilderbuchgalerie Schritt für Schritt
Die Bilder präsentieren
Beim Zugang über eine Bilderbuchgalerie erfolgt die erste Begegnung mit einem Bilderbuch zunächst über einen kleinen Ausschnitt der Illustrationen. Dazu werden von einer Bilderbuchseite laminierte Kärtchen (7,5 cm × 7,5 cm) in doppelter Ausfertigung erstellt. Die kopierten, ganzen Bilderbuchseiten werden im Raum wie in einer „Galerie präsentiert. Am besten eignen sich dafür Notenständer. Auf diese werden die in Passepartouts eingerahmten Bilder gestellt und die Illustrationen zunächst mit Einsteckkarten verdeckt. Außerdem werden Ausschnitte aus den Seiten als kleine Kärtchen in doppelter Ausführung verteilt.
Ins Gespräch kommen
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit den kleinen Kärtchen zu beginnen. Sie können als Memo-Spiel eingesetzt oder in der Gruppe verteilt werden, sodass sich die passenden zwei Kinder finden müssen, die dann über „ihre Ausschnitte ins Gespräch kommen: Was ist auf dem Kärtchen zu sehen? Wie könnte das vollständige Bild dazu gestaltet sein? Wovon könnte das dazugehörige Bilderbuch handeln?
Genau hinsehen und kombinieren
Anschließend beginnt die Suche nach dem passenden Bild in der Bilderbuchgalerie. Dazu werden im Vorfeld die Einsteckkarten ca. zwei bis drei Finger breit nach oben geschoben (s. Abb. ). In dieser Phase ist genaues Hinsehen gefragt. Die Farbwahl, Technik und sonstige illustratorische Gestaltung muss verglichen werden. Darüber kann sich ein intensiver Austausch entwickeln, der auch Vermutungen über die Gestaltung des vollständigen Bildes einschließt.
Wenn jeder sein passendes Bild gefunden hat, wird das Geheimnis um das Bilderbuch gelüftet und die Einsteckkarten können herausgezogen werden. Hat jedes Team sein richtiges Bild gefunden? Am Ende sollten sich alle ihr gesamtes Bilderbuch ansehen können.
Potenziale und Erweiterungsmöglichkeiten
Welche Chancen eröffnet diese Methode der ersten Bilderbuchbegegnung und welche Fähigkeiten werden damit gefördert?
  • Das schrittweise Sich-Annähern macht neugierig auf das gesamte Buch.
  • Die intensive Betrachtung einzelner Ausschnitte fördert die genaue Bildwahrnehmung.
  • Die Auswahl ganz unterschiedlicher Bilderbücher ermöglicht die Begegnung mit einer Vielfalt von...

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