4. – 6. Schuljahr

Alina Wanzek

„Es war einmal ein Mädchen …“

Literarisches Lernen am Beispiel eines biografischen Bilderbuchs

Wer ist Ada Lovelace? Über das produktive Handeln mit einem Bilderbuch, das Leben und Errungenschaften der Vordenkerin moderner Computertechnik vorstellt, wird das Interesse der Kinder für Sachthemen geweckt. Die können in einem fächerverbindenden Unterricht, ausgehend von der Bilderbuchlektüre, vertiefend bearbeitet werden.

Biografien sind vom Sachbuch bis zum biografischen Roman in einer großen Bandbreite verfügbar. Insbesondere biografische Bilderbücher zeichnen sich durch ihre Hybridität aus, da der Inhalt zu kürzen oder mit fiktiven Elementen anzureichern ist, um die Lebensgeschichte für jüngere Leserinnen und Leser komprimiert und verständlich aufzubereiten. Demnach kann „jede Biographie [] nur eine ‚literarische Illusion sein, die lediglich die Fiktion einer Existenz erhält [] (Hesse-Hoerstrup 2001, S. 25).
Doch nicht nur die Person, sondern auch ihre Umwelt und ihr Lebenswerk sind Bestandteile literarischer Lebensdarstellungen (vgl. ebd. S. 87ff.). Somit sind Biografien prädestiniert für einen fächerverbindenden Unterricht, bei dem literarisches Lernen über die Übernahme der Perspektive der literarischen Figur und die Vermittlung von Weltwissen produktiv miteinander in Verbindung treten. Mithilfe des biografischen Bilderbuches ist ein solches Vorgehen bereits in der Grundschule zu realisieren. Am Beispiel von „Ada Lovelace und der erste Computer (2017) von Fiona Robinson werden Ideen für die praktische Umsetzung im fächerverbindenden Kontext vorgestellt.
Dabei werden die Kinder zur Auseinandersetzung mit drei biografischen Ebenen Persönlichkeit, Lebenswelt und Lebenswerk angeregt (Kasten1).
1|Das ungewöhnliche Leben und Werk von Ada Lovelace
1|Das ungewöhnliche Leben und Werk von Ada Lovelace
Ada Lovelace wird geboren als Tochter des Dichters Lord Byron und der adeligen Lady Milbank. Da ihre Eltern sich kurz nach ihrer Geburt trennen, wächst Ada bei ihrer ehrgeizigen und mathematisch interessierten Mutter auf, die ihr eine umfassende naturwissenschaftliche Bildung ermöglicht.
Die Kontakte der Mutter sowie später die ihres Mannes, dem Earl of Lovelace, verschaffen Ada Zugang zu den elitären wissenschaftlichen Kreisen Londons. Besonders eng ist ihre Zusammenarbeit mit dem Mathematiker und Erfinder Charles Babbage, der sie in den Plan einweiht, eine automatische Rechenmaschine zu entwickeln. Ada übersetzt nicht nur seine Aufzeichnungen zu diesem Projekt, auch arbeiten sie gemeinsam an der Programmierung. Es gelingt Lovelace, einen Algorithmus zu entwickeln, mit dem die Maschine die Zahlenfolge der Bernoulli-Zahlen ausrechnen soll. Das Projekt scheitert, weil die visionären Ideen ihrer Zeit voraus sind.
Ada stellt weiterhin Überlegungen dazu an, dass Maschinen nicht nur Zahlen, sondern auch Bilder, Wörter und Musik produzieren können, und entwirft so erste Visionen der heutigen Computer. Deshalb wird sie heute als erste Frau in der Entwicklung des Computers gewürdigt.
Dafür werden hier nicht vollständige Unterrichtsstunden konzipiert; vielmehr wird anhand einzelner Ideen die produktive Vernetzung von Wissenserwerb und literarischem Lernen transparent gemacht. In Kasten2sind weitere, für den Unterricht empfehlenswerte Bilderbücher zusammengestellt, die separat betrachtet oder auch im Vergleich mit Adas Biografie beleuchtet werden können.
2|Empfehlenswerte Bilderbuchbiografien:
2|Empfehlenswerte Bilderbuchbiografien:
  • Monica Brown (Text)/John Parra (Illustr.): Frida Kahlo und ihre Tiere. Übers.: Elisa Martins. Zürich: NordSüd Verlag 2017.
  • Raphaële Frier (Text)/Aurélia Fronty (Illustr.): Malala. Für die Rechte der Mädchen. Übers.: Maren Illinger. München: Knesebeck 2017.
  • Claire A. Nivola: Das blaue Herz des Planeten. Die Geschichte einer Meeresforscherin: Sylvia Earle. Stuttgart: Verl. Freies Geistesleben 2015.
  • Amy Novesky (Text)/Isabelle Arsenault...

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