1. – 6. Schuljahr

Ralph Erdenberger

Bilder im Ohr

Der WDR bringt Kunstwerke für Kinder zum Klingen

„Kunst kann man nicht hören? Denkste! Der Kinderradiokanal des WDR bringt Bilder und Skulpturen aus Museen zum Klingen. In über 90 Kurzhörspielen erzählen die Protagonisten, Maler oder Gegenstände der Werke ihre Geschichten. Der akustische Weg über das Ohr soll fantastische Räume öffnen und auch dem Auge helfen. Erst machen sich Kinder im Kopf ein eigenes Bild, dann entdecken sie das Original.

Einladung zum Kunst-Galopp
„Lust auf einen Ausritt? Das berühmte Pferd von Franz Marc kann plötzlich sprechen. Schauspieler und Comedian Peter Nottmeier macht es lebendig. Vor dem Mikrofon eines Kölner Tonstudios entdeckt er den Vierbeiner in sich. Mit seiner Stimme, Geräuschen und Musik klingt es, als werfe das Pferd schnaubend seine blauschwarze Mähne zurück und warte nur darauf, dass ein mutiger Reiter sich auf seinen erdfarbenen Rücken schwingt. Reitunterricht nicht nötig! Neugier genügt und schon wird der Galopp durch die farbenfrohe Landschaft ganz nebenbei zum Kunstunterricht.
Gelb, Grün und Blau stehen nicht bloß naturalistisch für Kornfeld, Wald und Wasser. Jede Farbe ist auch Gefühl. Das Pferd scheint darin unterwegs akustisch zu baden. Am Ende des knapp vierminütigen Ritts durch die expressionistische Farbwelt der Künstlergruppe „Blauer Reiter ist es völlig außer Puste, aber glücklich.
„Pferd in der Landschaft ist nur ein Beispiel eines Bilder- und Hörspiel-Marathons. Über 90 Kunstwerke hat die Kinder-Redaktion des WDR bereits vertont. Zusammengearbeitet hat sie dabei mit mehr als 20 Museen in Deutschland und in den Niederlanden, darunter das Wallraf-Richartz-Museum in Köln, das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster oder das Kroeller-Müller-Museum in Arnheim. Im Rahmen der „Ruhr 2010 stellten die Macher herausragende Kunstwerke aus 15 Museen im Ruhrgebiet vor. Beteiligt an der Umsetzung waren mehr als 30 Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter so bekannte Stimmen wie die von Christian Brückner, Anna Thalbach, Jochen Malmsheimer oder Hermann van Veen.
Von Rubens bis Yves Klein
Startschuss für das ausdauernde Bildungsprojekt war eine Anfrage des Museums Kunstpalast in Düsseldorf. Die Kunstpädagoginnen suchten nach einer neuen Form von Kinder-Audio-Guide. Redaktionsleiterin Ulla Illerhaus beauftragte mich mit der Umsetzung. Gemeinsam entstand die Idee, jedes Werk für sich klingen zu lassen. Das Hörspiel soll unabhängig vom sichtbaren Bild verständlich sein, aber auch neugierig auf das tatsächliche Werk machen. Emotionalität und Information gehen dabei Hand in Hand. Der zu transportierende Inhalt bestimmt stets die Form.
Bei klassischen Stoffen fiel die Entscheidung oft zugunsten einer szenischen Darstellung der Geschichten aus. Im Werk „Venus und Adonis von Peter Paul Rubens etwa erzählt der kleine Sohn Amor die unglückliche Liebe seiner Mutter zu Adonis, an der er mit seinen Pfeilen nicht ganz unschuldig ist (M1 , Abb.1 ). Nicht jeder Liebhaber ist ein Vater. Die Szene soll Brücken zu bauen zwischen einer scheinbar entrückten Mythologie und der Lebenswelt der Kinder. Auch antike Skulpturen erwachen aus erstarrter Pose zu hörbarem Leben. Das muss nicht immer ernsthaft sein, Kultur darf Spaß machen: Der versteinerte Herkules schildert seine berühmten Heldentaten zum Beispiel in Form einer Hitparade als TOP 12. Im Comicstil besiegt der Superheld Hydra, Stier und Co und macht im besten Fall Lust, tiefer in seine einzelnen Abenteuer einzusteigen.
Auch moderne Bilder setzt das Projekt ins Ohr ohne Angst davor, auch Abstraktes zum Klingen zu bringen. Um beispielsweise in das Geheimnis von Yves Kleins „Blau einzutauchen, berichten zwei aufgeklebte Schwämme auf dem Relief von ihrer Reise. Die Kinder verfolgen ihr Abenteuer von den Tiefen des Meeres über die Farbwerkstatt des Künstlers bis ins Museum.
Informationen werden auch gerne als ungewöhnliches Kunst-Quiz verpackt: An einem der vielen...

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